Gefährliches Virus : WHO: Mers ist noch kein Notfall

Die Zahl der Infektionen steigt weiter. Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Lage dennoch nicht als "internationalen Notfall" ein. Sie fordert, mögliche Ansteckungswege besser zu erforschen.

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Der Erreger. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des Mersvirus.
Der Erreger. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme des Mersvirus.Foto: Reuters

495 Menschen haben sich bisher allein in Saudi-Arabien mit dem neuen Coronavirus Mers angesteckt; von dort aus haben es drei Reisende in den letzten zwei Wochen in die USA und in die Niederlande geschleppt. Die Zahl der Infektionen steigt dramatisch. Trotzdem könne die Situation noch nicht als internationaler Notfall (Public Health Emergency of International Concern: PHEIC) gelten. Das sagte Keiji Fukuda, zuständig für Gesundheitssicherheit bei der Weltgesundheitsorganisation, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Das Notfallkomitee zu Mers hatte zuvor zum fünften Mal getagt und zusätzlich Vertreter von 13 betroffenen Staaten sowie drei Experten angehört.

Zunächst waren sie sich keineswegs einig. Nach stundenlangen Diskussionen fanden sie trotzdem einen Konsens: Die Lage sei ernster als zuvor. Es gebe jedoch keinen Hinweis darauf, dass sich das Virus jetzt leichter von Mensch zu Mensch überträgt. Die meisten stecken sich in Krankenhäusern an, wo Hygieneregeln nicht eingehalten werden oder überfüllte Notaufnahmen die Verbreitung erleichtern. Anders als etwa die Grippe fege die Seuche nicht durch die Bevölkerung.

Mers wird durch ein Virus ausgelöst, das unter anderem Zellen tief in der Lunge zerstören kann. Deshalb bekommen manche Menschen schwere Lungenentzündungen. Es gibt weder ein Medikament noch eine Impfung. Vor allem ist drei Jahre nach der Entdeckung der Seuche immer noch nicht klar, wie und wo sich die Menschen anstecken. Das müsse dringend aufgeklärt werden, sagte Fukuda und wiederholte damit eine alte Forderung. Er sei „hoffnungsvoll“, dass die Studien nun begonnen oder abgeschlossen werden. „Wenn Seuchen ausbrechen, hilft nur eines: Transparenz. Sonst riskiert man eine Panik.“ Pilger und Besucher von anderen Massenveranstaltungen sollten auf jeden Fall über das Mersvirus aufgeklärt werden.

Das Komitee will in den nächsten Wochen erneut konferieren – ehe der Ramadan beginnt und besonders viele Pilger zu den heiligen Stätten strömen.

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