Gehälter in der Wissenschaft : Die W-Besoldung bringt mehr Frust als Motivation

Professorinnen und Professoren an deutschen Universitäten erleben das System der Leistungszulagen in der W-Besoldung als intransparent.

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Viele Hochschullehrer sind angesichts der geringen Chancen auf Leistungszulagen frustriert, ergab eine Umfrage der Sozialwissenschaftlerin Linda Jochheim von der Ruhr-Universität Bochum unter 275 W-besoldeten Professoren an 87 deutschen Universitäten. Zusätzlich interviewte Jochheim 40 Personen. Mehrheitlich befürworten die Wissenschaftler zwar das 2005 eingeführte System. Die seitdem Berufenen oder freiwillig in die W-Besoldung Gewechselten erhalten ein gegenüber der C-Besoldung abgesenktes Grundgehalt. Zusätzlich können sie Zulagen bei der Berufung, bei Bleibeverhandlungen und für besondere Leistungen in Lehre und Forschung erhalten. Jedoch vermissen viele klare Kriterien für die Vergabe dieser Zulagen – und ausreichend finanziellen Spielraum.

Für besondere Leistungen reicht das Uni-Budget nicht

Häufig würden Unis den Großteil ihres Budgets für die Zulagen aus Berufungs- und Bleibeverhandlungen ausgeben, um gute Leute an sich zu binden. Für die besonderen Leistungen sei dann kaum noch Geld da. So sagten 92 Prozent der Befragten, ihr Engagement in der Lehre werde durch die W-Besoldung nicht verstärkt gewürdigt; 75 Prozent beklagen dies für ihre Erfolge in der Forschung. Geisteswissenschaftler sehen sich besonders benachteiligt. Sie erhalten der Umfrage zufolge seltener Leistungszulagen als Natur- oder Ingenieurwissenschaftler, zudem fallen diese geringer aus. Jochheim schlägt vor, den Disziplinen jeweils eigene Geldtöpfe zuzuordnen und neben finanziellen auch immaterielle Anreize zu schaffen – etwa Nachlässe bei der Lehrverpflichtung.

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