Gehirnjogging : Super Mario lässt manche Hirnstrukturen wachsen

Wer sich am Computer durch 3-D-Welten bewegt, trainiert genau jene Hirnareale, die bei psychisch Kranken und bei Patienten mit einer Demenz schrumpfen.

Laura Empl
Super Mario
Vielseitig. Super Mario rettet im Spiel nicht nur eine Prinzessin. Nebenbei tut er etwas für das Gehirn der Spieler.Foto: picture alliance / dpa

Jump-’n’-Run-Spiele wie das beliebte Super Mario 64 könnten in Zukunft psychisch Kranken oder dementen Patienten helfen. Das schreiben Berliner Forscher um Simone Kühn und Jürgen Gallinat im Fachblatt „Molecular Psychiatry“. Eine halbe Stunde Videospiel pro Tag reiche aus, um jene Areale wachsen zu lassen, die bei Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung, Schizophrenie oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer verkleinert sind.

Das Team vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Charité in Berlin unterteilte für seine Studie 48 junge, gesunde Erwachsene, die sonst wenig oder gar keine Videospiele spielten, in zwei Gruppen. Die Forscher erklärten der einen Hälfte der Probanden, wie die virtuelle 3-D-Welt von Super Mario funktioniert und wiesen sie an, den italienischen Klempner zwei Monate lang täglich mindestens eine halbe Stunde dabei zu unterstützen, Rätsel zu lösen, Gegner zu bezwingen, Sterne zu sammeln und schließlich eine hilflose Prinzessin zu befreien. Die anderen 24 Probanden dienten als Kontrollgruppe und gingen ohne Vorgaben ihrem Alltag nach. Vor und nach dem Training maßen die Forscher die Gehirnstruktur von allen Teilnehmern im MRT-Scanner. Außerdem prüften sie die kognitiven Leistungen in weiteren Tests.

Das Ergebnis: Nur bei der Spielergruppe vergrößerte sich die graue Gehirnmasse im Hippokampus – dem Tor zur Erinnerung – sowie in Teilen des Stirn- und Kleinhirns. Genau diese Hirnregionen sind für die räumliche Orientierung, das Arbeitsgedächtnis und die Feinmotorik sehr wichtig. Außerdem ermöglichen sie uns strategisches und zielorientiertes Denken. Je lieber die Teilnehmer spielten, desto schneller wuchs die graue Masse im Stirnhirn. Und je größer das Volumen dort war, desto besser schnitten die Probanden in den Videospielen ab. Je mehr graue Masse sich im Hippokampus bildete, desto leichter fiel es ihnen auch in Tests, ihre Wahrnehmung nicht auf den eigenen Körperstandpunkt zu beziehen, sondern an ein vorgegebenes Referenzsystem anzupassen.

Mehrere Studien belegen, dass diese Areale bei vielen psychiatrischen Erkrankungen, auch Alzheimer, stark schrumpfen. Demnach könnte ein gezieltes Spiele-Training der Schrumpfung entgegenwirken und zur Behandlung dieser Leiden eingesetzt werden, schreiben die Forscher. Ob sich das bewahrheitet, muss sich in weiteren Studien an Patienten zeigen. Die Forscher bereiten sie gerade vor. Außerdem muss überprüft werden, ob andere Videospieltypen – oder einfach nur ein Training an einem neuen Gerät – ähnliche Effekte haben. Fraglich ist ebenso, ob die antrainierten Fähigkeiten Auswirkungen im Alltag haben.

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