Geisteswissenschaften : Bilder machen mobil

Bilder bewegen, sie dienen als Waffen, werden verehrt und verklärt. Mit einer neuen Richtung der Bildwissenschaften, der Bildaktforschung, hat der Berliner Kunsthistoriker Horst Bredekamp jetzt ein hoch dotiertes Forschungskolleg für die Humboldt-Universität (HU) errungen.

Amory Burchard

Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten Bredekamp und sein Mitstreiter aus dem Institut für Philosophie, John Michael Krois, 3,1 Millionen Euro für zunächst vier Jahre.

Die Leiter des Kollegs bekommen „Freiräume zur eigenen Forschungstätigkeit“ – das ist die Idee, die hinter dem neuen Kolleg-Programm der DFG-Förderinitiative Geisteswissenschaften steht. „Wir werden die Lehre reduzieren, aber unbedingt weiterbetreiben“, sagt Bredekamp. Darüber hinaus können Bredekamp und Krois Gastwissenschaftler aus der Kunstgeschichte, der Philosophie, den Neuro- und Kognitionswissenschaften einladen. So entsteht an der Universität ein „Institute for Advanced Study“.

„Wir möchten alle Phänomene erforschen, die Bilder als handelnde Akteure zeigen“, erklärt Bredekamp. Das Material reiche von weinenden Heiligenfiguren bis zur Instrumentalisierung von Bildern im Irakkrieg, „wo sie auf derselben Ebene wie materielle Waffen eingesetzt“ wurden. Die Bildaktforschung hat in der Philosophie Vorläuferinnen wie die auf Charles S. Peirce zurückgehende Sprechakttheorie, nach der man mit sprachlichen Äußerungen nicht nur Sachverhalte beschreibt, sondern auch Handlungen (Akte) vollzieht, wenn man etwa jemanden mit einer Beleidigung verletzt. Auch Bilder sieht Bredekamp „nicht als Schatten einer Idee oder einer Realität“, sondern „als verkörperlichte Form, die dem Menschen eigenaktiv entgegenkommt“.

In einer Konkurrenz von 31 Projekten hat sich außer Bredekamp und Krois in Berlin wie berichtet eine Kolleg-Forschergruppe zur Verbreitung von Ideen in der Europäischen Union durchgesetzt. Geleitet wird sie von Tanja Börzel und Thomas Risse vom Otto-Suhr-Institut der Freien Universität. Das dritte Kolleg ging an Hans Joas und Jörg Rüpke von der Uni Erfurt. Sie untersuchen „die Individualisierung in der Religion“. Amory Burchard

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