Geisteswissenschaften : Entstaubter Geist

Die Akademien verbessern ihre Forschung, das war nicht immer so: Vor fünf Jahren stellte der Wissenschaftsrat dem Akademienprogramm, einem der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme in Deutschland, ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus.

Tilmann Warnecke

Das von den Akademien der Wissenschaften getragene Programm weise „eine Reihe von Defiziten und Problemen“ auf, für eine „langfristig tragfähige Perspektive“ seien tief greifende Reformen nötig, hieß es damals. Nun hat der Wissenschaftsrat den Umbau des Akademienprogramms gelobt. Nach einer Reihe von Reformen sei ein „sehr positives Resümee“ zu ziehen, sagte jetzt Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates. Vor allem die stärkere Öffnung für Nichtmitglieder der Akademien habe „der Vitalität der Projekte sehr gut getan“. Gleichzeitig mahnte Strohschneider weitere Verbesserungen an.

Im Rahmen des von Bund und Ländern finanzierten Akademienprogramms werden überwiegend geisteswissenschaftliche Langzeitprojekte gefördert – etwa die Neubearbeitung des Wörterbuches der Gebrüder Grimm oder die Edition des Gesamtwerkes von Max Weber. Mehr als 600 Mitarbeiter betreuen derzeit 157 Vorhaben. Die Kritikpunkte des Wissenschaftsrates vor fünf Jahren waren zahlreich: Die „überlangen Laufzeiten“ vieler Projekte erschwerten die Anbindung an die aktuelle geisteswissenschaftliche Forschung. Die Einbeziehung der wissenschaftlichen Communitys in die Gestaltung des Programms und die Entwicklung neuer Vorhaben sei „zu gering“ entwickelt. Die Qualitätssicherung genüge nicht immer den Anforderungen an unabhängige Begutachtungsprozesse. Die Akademien würden zu wenig mit Universitäten und außeruniversitären Forschungsinstituten zusammenarbeiten.

Inzwischen hätten gerade diese Kooperationen stark zugenommen, sagte Strohschneider. Auch die Bewertungsverfahren seien transparenter als früher. Projekte würden teilweise schneller vorangetrieben, Neuvorhaben seien jetzt von vornherein auf 25 Jahre begrenzt. „Das macht die Bearbeitungszeit der Projekte kalkulierbarer.“ Insgesamt habe es „sehr positive Effekte insbesondere für die inhaltliche Modernisierung des Programms“ gegeben.

Allerdings gebe es noch immer Defizite bei der Weiterqualifizierung der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Die Akademien müssten sich zudem endlich daran machen, die Ergebnisse aus den Vorhaben digital aufzubereiten und langfristig zu archivieren, forderte Strohschneider. Skeptisch sieht der Wissenschaftsrat auch, dass im Rahmen des Programms immer noch naturwissenschaftliche Projekte gefördert werden. Die Akademien sollten diese besser abgeben, um ihr Profil zu schärfen. 

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