Wissen : Gen erhöht Risiko für Migräne Glutamat-Stau fördert Kopfschmerzgefahr

Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein Risikogen für die gewöhnliche Migräne entdeckt. Von der Analyse, die auf der Untersuchung von 50 000 Probanden beruht, erhoffen sich die Wissenschaftler neue Einsichten in die Auslöser von Migräneattacken und damit Behandlungsansätze. Das Team um Aarno Palotie vom britischen Wellcome Trust Sanger Institute stellt das Migräne-Gen im Fachblatt „Nature Genetics“ vor. Zuvor waren bereits Gene gefunden worden, die im Zusammenhang mit seltenen und extremen Migräneformen stehen.

„Zum ersten Mal ist es uns gelungen, das Erbgut tausender Menschen genauer in Augenschein zu nehmen und genetische Aufschlüsse zu finden, um die gewöhnliche Migräne zu verstehen“, sagte Palotie. Migräne betrifft in den Industrieländern etwa jede sechste Frau und jeden zwölften Mann. Damit gilt sie in Europa und den USA als kostenreichste Fehlfunktion des Hirns.

Der Medizinerverbund verglich das gesamte Erbgut von 2731 Migränepatienten mit demjenigen von 10747 Gesunden. Dabei stellten sie eine DNS-Variante zwischen den Genen PGCP und MTDH/AEG-1 auf Chromosom 8 gehäuft bei den Migränepatienten fest. Ein weiterer Vergleich von 3202 Migränepatienten mit 40 062 Gesunden bestätigte diese Assoziation. Insgesamt erhöht die Genvariante rs1835740 das Migränerisiko anscheinend um etwa ein Fünftel.

Das betroffene Gen ist daran beteiligt, den Nervenbotenstoff Glutamat im Gehirn zu regulieren. Migräne wird möglicherweise von einem Glutamat-Stau an den Synapsen ausgelöst, den Kreuzungen von Nervenbahnen. Normalerweise „kommandiere“ die entdeckte DNS-Variante ein spezielles Eiweiß als Staulöser zum Einsatzort ab, erläutern die Forscher. Bei Migräne werde dieser Befehl offensichtlich nicht ausgeführt. dpa

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