Genetik : Erstmals Genom eines Asiaten sequenziert

Genomsequenzierung erhält Aufschwung.

Brendan Borrell

Wissenschaftler in Peking verkündeten die Sequenzierung des Genoms eines Han-Chinesen. Die Bekanntmachung folgt der Sequenzierung der Genome von Craig Venter (1) und James Watson früher in diesem Jahr.
"Jeder wird in der nahen Zukunft sein Genom für eine bessere Gesundheitsversorgung sequenziert bekommen. Wir freuen uns sehr, denn unsere Leistung bringt uns diesem Ziel näher", so ein Wissenschaftler des Beijing Genome Institute in einer Pressemitteilung.
Obwohl Menschen den Großteil ihres Genoms gemeinsam haben, können leichte Abweichungen mit ihrer unterschiedlichen Disposition für Krankheiten und das Ansprechen auf Therapien in Verbindung stehen.
Han-Chinesen stellen 92 Prozent der Bevölkerung Chinas und sind die größte ethnische Gruppe der Welt. Menschen derselben ethnischen Zugehörigkeit können genetische Charakteristika gemeinsam haben, die hilfreich bei der künftigen Entwicklung von Medikamenten sein könnten.
"Wir wissen, dass es viele genetische Varianten gibt und dass sie nicht gleichmäßig in der Welt verteilt sind", erklärt Kenneth Kidd, Populationsgenetiker an der Yale University in New Haven, Connecticut, einer der Mitbegründer des Human Genome Diversity Project. "Die Unterschiede zwischen Jim Watson und Craig Venter waren recht aufschlussreich."

Eins, zwei, drei

Die technischen Details der Arbeit der Pekinger Gruppe sind noch nicht veröffentlicht worden, da es sich jedoch um das erste sequenzierte Genom eines Asiaten handelt, haben Wissenschaftler es bereits als viel versprechenden Fortschritt bezeichnet. "Wir haben in diesem Jahr drei sequenzierte Genome", sagt Thomas Hudson, Genetiker am Ontario Institute for Cancer Research in Toronto, "das ist ein wichtiger Schritt." Hudson leitete die Bemühungen, eine Genkarte des menschlichen Genoms zu erstellen, am Whitehead Institute in Cambridge, Massachusetts, und besuchte das Beijing Genomic Institute 2005 im Rahmen einer Zusammenarbeit am International HapMap Project. Er sagt, die Gruppe sei sehr eifrig. "Sie sind sehr darum bemüht, an der modernen Wissenschaft teilzuhaben, und zeigen, dass sie eine sehr fähige Arbeitsgruppe haben."
Die Kosten einer Sequenzierung sind im vergangenen Jahr enorm gesunken, weshalb in Zukunft weitere Bekanntmachungen erwartet werden. Das Human Genome Project, das vor vier Jahren abgeschlossen wurde, hat in 13 Jahren 3 Billionen US-Dollar gekostet. Die Sequenzierung des Genoms von James Watson wurde im Juni nach nur zwei Monaten abgeschlossen und kostete weniger als 1 Million US-Dollar. "Das Tausend-Dollar-Genom, von dem die Leute sprechen, rückt in Reichweite", sagt Hudson.
Die Pekinger Arbeitsgruppe plant die Sequenzierung der Genome weiterer Asiaten, so dass sie beginnen können, Zusammenhänge zwischen genetischen Varianten und zugrunde liegenden Erkrankungen herzustellen. Hudson denkt, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung ist. "Um Genvarianten wirklich zu verstehen, brauchen wir tausende Sequenzierungen, nicht bloß eine oder zwei in jeder Population."

(1) Levy S, et al. PLoS Biol. 5, e254 (2007).

Dieser Artikel wurde erstmals am 12.10.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.161. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

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