Genetik : Gute Gene machen Rennpferde zu Gewinnern

Studie mit Zuchtpferden zeigt die wichtige Rolle der Gene auf.

Liegt der Erfolg eines Rennpferds in seinen Genen? Neue Forschung zeigt, dass die Genetik tatsächlich eine wichtige Rolle dabei spielt, ob ein Rennpferd Gewinner oder Verlierer auf der Rennbahn wird. Sie deutet jedoch auch darauf hin, dass hohe Preise für Zuchttiere keine Garantie dafür sind, gute Gene zu bekommen: Pferdezüchter bekommen nicht immer, wofür sie bezahlen.

Die Evolutionsökologen Alastair Wilson und Andrew Rambaut von der University of Edinburgh in Schottland haben sich die Genetik von Rennpferden genau angesehen. Ihnen standen die Daten der Siege von 554 derzeit oder bis vor Kurzem aktiven Hengste, die in der Zucht eingesetzt wurden, zur Verfügung, ebenso wie die Gewinne ihrer Vorfahren über mehrere Generationen. Sie nutzten diese Daten für Modellrechnungen der Siege nach Nachkommen dieser Hengste.

Sie entdeckten, dass äußere Faktoren wie Training, Ernährung, Rennstrategien und die Erfahrung des Jockeys zu 91,5 Prozent verantwortlich für Sieg oder Niederlage sind und die Gene die restlichen 8,5 Prozent ausmachen. "8,5 Prozent mag wenig erscheinen, aber für diejenigen, die sich mit den Vorteilen, welche die genetische Ausstattung von Wildtieren mit sich bringen können, beschäftigen, ist das viel", sagt Wilson.

In der Wildbahn, wo die äußeren Bedingungen stark variieren und das Überleben ebenso vom Glück abhängen kann wie von allem anderen, hängen die Überlebensraten zu 1-2 Prozent von der Genetik ab, erklärt Wilson. In der stark regulierten Umgebung von Rennpferden, wo Siege der wesentliche Maßstab des Erfolgs sind, hat die Genetik größere Auswirkungen.

Bekommen, wofür man zahlt

Das Team wollte ebenfalls herausfinden, ob die Preise der Zuchthengste hinweisend für die Genetik waren. Diese Preise können stark variieren: Einige Hengste kosten einige hundert Dollar, Hengste mit großer Reputation können Millionen kosten.
In ihrer Studie standen die Preise in keinem Verhältnis zum Erfolg der Nachkommen. Unter diesen Pferden war ein paar hundert Dollar zu zahlen, um eine Stute mit einem durchschnittlichen Hengst zu paaren, so gut wie einige Millionen zu zahlen. "Wir erwarteten, dass die Preise eine reelle Aussage [über den Erfolg] widerspiegeln, aber das war nicht so", sagt Wilson.

Die Ergebnisse könnten verzerrt sein, sagt Larry Bramlage, Pferdechirurg in Lexington, Kentucky, da Hengste jeden Alters betrachtet wurden. Einige sind so jung, dass ihr Preis nur auf ihren eigenen Erfolgen basiert, andere sind so alt, so dass einzig der Erfolg ihrer Nachkommen ihren Preis bestimmt. Letzteres ist ein wesentlich besserer Maßstab für die Qualität der Gene und Züchter wissen das, merkt er an.

"Nimmt man die Preise von Hengsten, die seit mindestens zehn Jahren in der Züchtung sind, bekommt man ganz andere Ergebnisse, denke ich", sagt Bramlage. In einer solchen Studie würde der Preis im Verhältnis zu den Genen stehen, meint er.

Das sei ein wichtiger Punkt, sagt Wilson, der in künftigen Studien berücksichtigt werden solle.

Literaturhinweis:
Wilson, A. J. & Rambaut A. Biol. Lett. doi:10.1098/rsbl.2007.0588 (2007).

Dieser Artikel wurde erstmals am 18.12.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.387. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben