Genetik : Kritik an Klon aus Kuh und Mensch

Deutsche Stammzellforscher haben zum Teil empört auf Experimente britischer Kollegen reagiert, denen es gelungen sein soll, Embryonen aus Rinder-Eizellen und menschlichen Zellkernen zu schaffen.

Deutsche Stammzellforscher haben zum Teil empört auf Experimente britischer Kollegen reagiert, denen es gelungen sein soll, Embryonen aus Rinder-Eizellen und menschlichen Zellkernen zu schaffen.

Das Team von der Uni Newcastle hatte aus Hautzellen Zellkerne entnommen, in denen die Erbinformation des Menschen als Desoxyribonukleinsäure (DNS) gespeichert ist. Diese Kerne wurden Kuh-Eizellen eingepflanzt. So entstand ein Embryo, der zu 99 Prozent Menschen-Erbgut enthält. Mit dieser Methode wollen die Forscher Stammzellen gewinnen, ohne schwer zu beschaffende Eizellen von Frauen nutzen zu müssen. Aus den Stammzellen hoffen sie Zellen nachzüchten zu können, die bei Krankheiten wie Parkinson oder Diabetes absterben.

Die Methode sei weder neu noch sinnvoll, sagte Oliver Brüstle, Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie der Uni Bonn. In den USA, Südkorea und China gab es bereits ähnliche Experimente. In Deutschland ist das Verfahren verboten. Für die Experimente unter Leitung von Lyle Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine Sondergenehmigung erteilt.

Brüstle verwies darauf, dass die Arbeit noch gar nicht in einem Fachjournal veröffentlicht, also nicht wissenschaftlich geprüft sei. „Dass die Arbeit schon in den Medien aufgegriffen wird, zeigt, wie überhitzt die Debatte ist“, sagte er. Da die Rückprogrammierung von Hautzellen zu stammzellähnlichen Zellen wesentlich besser erforscht sei, müsste der Sinn solcher Experimente überprüft werden.

Auch für den Direktor des Instituts für Neurophysiologie der Uni Köln, Jürgen Hescheler, ist die Herstellung der häufig als „Chimären“ bezeichneten Mischembryonen keine Alternative. Sein Team arbeite mit zurückprogrammierten Zellen, „weil die vielversprechend sind“. Wolfgang-Michael von der Uni München kritisierte das Mensch-Kuh-Experiment. „Ich bin entsetzt darüber. Ich sehe in den Versuchen keinerlei Sinn. Diese Arbeit kann ich ethisch und moralisch nicht mehr nachvollziehen und habe immer gesagt, dass wir solche Versuche nicht brauchen“, sagte er. Diese Zellen könnten angesichts der tierischen Verunreinigung zudem ohnehin nicht in der Medizin eingesetzt werden. dal/dpa

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