Gentechnik : Gesegnete Mahlzeit

Wissenschaftler der Päpstlichen Akademie befürworten grüne Gentechnik – gegen Hunger.

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In Gottes Hand. Auch im Vatikan wird über Genmais nachgedacht. Foto: p-a/dpa
In Gottes Hand. Auch im Vatikan wird über Genmais nachgedacht. Foto: p-a/dpaFoto: picture-alliance/ dpa

In seiner Enzyklika „Caritas in veritate“ schreibt Papst Benedikt XVI., Technologie füge sich „in den Auftrag ein, den Gott dem Menschen erteilt hat“, nämlich „die Erde zu bebauen und zu hüten“. Auf diesen Satz beziehen sich die Teilnehmer einer Studienwoche unter dem Patronat der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in einem Plädoyer, genetisch modifizierte Pflanzen und andere molekulare Techniken in der Landwirtschaft zu nutzen, etwa beim Anbau von Mais, Soja oder Süßkartoffeln.

Ihr Fazit: „In geeigneter Weise und verantwortlich angewandt, kann Gentechnologie … wesentliche Beiträge zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität und der Nahrungsqualität leisten – durch Verbesserung des Ertrags und der Nahrungsqualität der Pflanzen, durch verbesserte Resistenz gegenüber Schädlingen wie auch durch Erhöhung der Toleranz gegenüber Dürre und anderen physikalischen Stresssituationen.“ So könne vielen Menschen, besonders in Entwicklungsländern, geholfen werden.

Das Plädoyer der Wissenschaftler, das dem Tagesspiegel vorliegt, soll zusammen mit dem Tagungsband noch in dieser Woche auf der Internetseite der Päpstlichen Akademie veröffentlicht werden. Die Position ist nicht offiziell vom Vatikan abgesegnet, und auch von der Akademie gab es auf Anfrage keine Stellungnahme zum Thema. Die Veröffentlichung auf der Website sei Stellungnahme genug, meinen Insider. Das Papier sei im Übrigen auch im Sinne des Papstes. Zumindest forderte Benedikt XVI. kürzlich eine „Wiederaufwertung der Landwirtschaft“. Und obwohl er den Begriff Gentechnik nicht verwendet, schreibt er doch in „Caritas in veritate“, es könne sich „als hilfreich erweisen, die neuen Möglichkeiten ins Auge zu fassen, die sich durch den richtigen Einsatz traditioneller wie auch innovativer landwirtschaftlicher Produktionstechniken auftun“.

Die Konferenz hatte bereits im Mai im Vatikan stattgefunden. 50 internationale Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten, unter ihnen sieben Akademiemitglieder, diskutierten sowohl die Forschung als auch die sozialen Bedingungen, unter denen grüne Gentechnik „den Armen und Benachteiligten“ verfügbar gemacht werden könne. In ihrem Statement fordern sie, dass insbesondere multinationale Landwirtschaftskonzerne „sich nicht nur auf den ökonomischen Gewinn allein konzentrieren, sondern auch humanitäre und kulturelle Werte und Aspekte der Ausbildung in ihr Geschäftsmodell einbeziehen sollten“. Jan Oberländer

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