Geowissenschaften : Störsender im Untergrund

Erloschene Vulkane verändern die Stärke des Erdmagnetfelds. Solche und weitere Abweichungen zeigt eine ungewöhnliche Deutschland-Karte.

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Bunte Flecken. Die wechselnde Stärke des Erdmagnetfeldes ist farblich gekennzeichnet. Foto: LIAGdpa

Die Kompassnadel zeigt in der Regel stets in Richtung des magnetischen Pols, der momentan irgendwo nördlich von Kanada, aber nicht exakt am geografischen Nordpol ist. Schaut man sich zudem die Stärke des Magnetfeldes an, wird es ungleich schwieriger. Das „Hauptfeld“, das vom Erdkern ausgeht, wird nämlich von kleinen, lokalen Magnetfeldern überlagert. „Die werden beispielsweise von magnetischen Mineralen im Gestein erzeugt“, sagt Gerald Gabriel vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover. Sie können schräg zu dem Hauptfeld orientiert sein oder gar entgegengesetzt und dadurch die Stärke des Gesamtmagnetfelds verändern. Gabriel und sein Team haben solche Anomalien für ganz Deutschland zusammengetragen und in einer Karte im Maßstab 1 : 1 000 000 eingezeichnet. Heute soll sie auf einer Fachtagung in Bochum vorgestellt werden.

Violett bis rot markiert sind die Gegenden, wo die Gesamtstärke des Erdmagnetfelds überdurchschnittlich hoch ist, eine relative Abnahme ist durch blaue Markierungen gekennzeichnet. Deutlich erkennbar ist ein Band in tiefen Rottönen von Südwesten nach Nordosten, etwa zwischen Frankfurt und Leipzig. „In diesen Gebieten gibt es viele erloschene Vulkane“, sagt Gabriel. Gerade in der erstarrten Lava, Fachleute sagen „Basalt“ dazu, finden sich viele magnetische Minerale, die das Hauptmagnetfeld stören.

Die Abweichungen der Feldstärke sind relativ klein, sie betragen höchstens ein Prozent des Durchschnittswertes, berichtet der Geophysiker. Doch selbst diese Variationen sind für Forscher interessant, etwa bei der Rohstoffsuche oder wenn es darum geht, die Zusammensetzung der Erdkruste zu erkunden. Selbst Ornithologen, die den Vogelzug studieren, haben bereits nach den Daten gefragt. nes

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