Geowissenschaften : Wasser unter der Wüste

Unter dem Sand der Sahara lagern immense Mengen von Grundwasser. Zumindest ein Teil dieses Wassers ist weniger „fossil“ als bislang angenommen.

Wasseranzeiger. Unter Oasen ist das Grundwasser relativ nahe an der Oberfläche. Pflanzen können es erreichen, die Wüste wird grün.
Wasseranzeiger. Unter Oasen ist das Grundwasser relativ nahe an der Oberfläche. Pflanzen können es erreichen, die Wüste wird grün.Foto: Horst Heinz Grimm/dpa/gms

Das lassen Untersuchungen französischer und tunesischer Forscher vermuten. Pro Jahr strömen demnach durchschnittlich 1,4 Kubikkilometer neuen Wassers in die Grundwasserleiter im Nordwesten der Sahara.

Dieses Resultat spreche gegen die verbreitete Ansicht, in dem Gebiet erfolge eine nur geringe oder gar keine Neubildung von Grundwasser, berichten die Wissenschaftler um Julio Gonçalvès vom Geo- und Umweltforschungszentrum Cerege in Aix-en-Provence. Gleichwohl reiche die Neubildung bei Weitem nicht aus, um die jährliche Entnahme von derzeit etwa 2,5 Kubikkilometern zu kompensieren, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Das System der Grundwasserleiter – das sind meist poröse Sandsteinschichten – der nordwestlichen Sahara erstreckt sich über eine Million Quadratkilometern in Algerien, Tunesien und Libyen. Jüngeren Schätzungen zufolge, birgt es in verschiedenen Tiefen insgesamt fast 1300 Kubikkilometer Wasser. Dieses Reservoir lässt natürliche Oasen erblühen und wird seit den 1960er Jahren durch Brunnenbohrungen angezapft. Dem so ermöglichten Aufschwung in Landwirtschaft und Industrie stehen allerdings Folgen wie Versalzung und Versiegen einzelner Quellen gegenüber.

Gonçalvès und Kollegen nutzten Daten des amerikanisch-deutschen Satellitenprojekts „Grace“, um mehr über die Neubildung des Grundwassers zu erfahren. Die beiden Satelliten vermessen laufend das Schwerefeld der Erde und ermöglichen so Rückschlüsse über die Konzentration und Verlagerung größerer Massen – etwa im Zuge des jährlichen Amazonas-Hochwassers oder der Beschleunigung der grönländischen Gletscher. Diese Satellitendaten kombinierten die Forscher mit Schätzungen der Wasserentnahme sowie Messungen des Grundwasserspiegels vor Ort.

Insgesamt findet eine unerwartet starke, wenn auch sehr variable Neubildung von Grundwasser statt. Im Zeitraum 2003 bis 2010 schwankte der Wert zwischen 0 und 4,4 Kubikkilometern pro Jahr und spiegelte relativ gut die Niederschlagsmengen des Vorjahres wider. Die neuen Daten legten die Basis für eine dauerhaft tragfähige Nutzung des Grundwassers, schreibt das Team. Ein schonender Umgang mit der kostbaren Ressource sei umso dringender geboten, als für die kommenden Jahrzehnte ein beträchtlicher Bevölkerungszuwachs in der Region erwartet werde. JKM

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