Wissen : Gerechtigkeit für Lise Meitner

FU benennt Institut der Kernspaltungsentdecker in Hahn-Meitner-Bau um

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Foto: FU Berlin
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Auf alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 20er Jahren steht Lise Meitner ganz selbstverständlich zwischen den hoch zugeknöpften Herren: Gruppenbilder zeigen sie mit Wissenschaftlerkollegen der Chemie und Physik, darunter viele spätere Nobelpreisträger: Otto Hahn, mit dem sie jahrzehntelang in Berlin zusammenarbeitete, aber auch Albert Einstein und Niels Bohr. Der österreichischen Physikerin blieb dieser Preis verwehrt, obwohl sie, das ist heute Konsens, an der Entdeckung der Kernspaltung maßgeblich beteiligt war. Für diese Leistung erhielt Otto Hahn 1944 den Preis der Königlichen Akademie – allein.

Lise Meitners Name steht seit Mittwoch nun zumindest gut sichtbar über dem Portal des Institutsgebäudes in Dahlem, in dem sie geforscht hat. Mit einem Festakt hat die Freie Universität das Gebäude in Hahn-Meitner-Bau umbenannt. Bei der Wiedereröffnung des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Instituts nach dem Zweiten Weltkrieg war Hahn als Namensgeber ausgewählt worden – wiederum allein.

„Die Umbenennung ist historisch notwendig“, sagte die amerikanische Chemikerin und Meitner-Biografin Ruth Lewin Sime in ihrem Festvortrag. „Sie ist eine Sache der Gerechtigkeit.“ Auch FU-Präsident Peter-André Alt deutete die Umbenennung als „Korrektur eines historischen Unrechts“. Wolfgang Sandner, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, sagte, er hoffe, dass die Umbenennung helfen werde, Frauen in den Naturwissenschaften stärker wahrzunehmen und zu fördern.

Die Jüdin Lise Meitner musste 1938 aus Deutschland fliehen, kurz bevor das entscheidende Experiment zum Nachweis der Spaltung von Uran gelang, das sie mit Otto Hahn und Fritz Straßmann vorbereitet hatte und an dem sie aus dem Exil über Briefe mitwirkte. Die Leistung allerdings wurde nach Kriegsende, auch aus wissenschaftspolitischen Gründen, vor allem Hahn zugeschrieben, zumindest nach außen. Erst seit den 80er Jahren wird Meitners Forschung verstärkt öffentlich gewürdigt. Anna Sauerbrey

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