Gestalten - Filmen : Ausdauer, Talent und ein bisschen Glück

Der Filmemacher Thomas Arslan gibt Starthilfe - und bringt auch schon mal Kollegen mit

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Er hält sich lieber im Hintergrund. Thomas Arslan (Mitte) will Studenten keinen Stil aufdrücken.
Er hält sich lieber im Hintergrund. Thomas Arslan (Mitte) will Studenten keinen Stil aufdrücken.Foto: J. Bock

Extragroße Computerbildschirme, ein Fernseher, Bücher über Rainer Werner Fassbinder, ein paar Filmplakate, der Blick geht ins Grüne: Zwischen Sprechstunde und Seminar lädt Filmemacher Thomas Arslan in sein Büro an der Universität der Künste. Seit 2007 ist er Dozent für „Narration in und mit technischen Bildmedien“ im Studiengang Kunst und Medien.

Arslans Werke sind preisgekrönt. Vor allem seine Berlin-Trilogie über das Leben von jungen Erwachsenen türkischer Herkunft in Deutschland machten ihn bekannt. Seinen Stil will er den Studenten „nicht aufdrücken“. „Es gibt viele andere Formen des Filmemachens“, sagt Arslan. „Eine bestimmte Schule oder Richtung will ich nicht forcieren.“ Je nachdem, was die Studenten interessiert, lädt er auch Kollegen in das Seminar ein. Beispielsweise stand Arslans Szenenbildnerin den Studenten Rede und Antwort, Regisseurinnen und Regisseure, Produktionsleiter oder Kameraexperten kamen zu Wort.

„Ob jemand auch im ökonomischen Sinne erfolgreich wird, hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Arslan. „Scheitern gehört dazu.“ Ausdauer ist gefragt, Talent und ein bisschen Glück. „Nach ersten Nackenschlägen darf man sich nicht entmutigen lassen.“ Wie vermarkte ich mein Werk, wer finanziert die Produktion, wie hebe ich mich von den vielen Mitbewerbern auf dem Filmmarkt ab?

Bei vielen Studenten zeigt sich erst Jahre nach Ende des Studiums, ob sie auf dem Markt bestehen können oder nicht. Auch UdK-Absolventen kommen hin und wieder in Arslans Klasse, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Gefahr, sich in einem Arbeitsschritt festzubeißen oder gar zu verzetteln, ist groß. „Wir versuchen die Studenten anzuhalten, sich nicht in Details zu verlieren, sondern immer wieder neue Projekte zu realisieren“, sagt der deutsch-türkische Filmemacher.

Er selbst hat seine Ausbildung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin gemacht. An die erste Zeit als Dozent an der UdK kann er sich gut erinnern. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er. Parallel zur Lehre arbeitet Arslan an seinen eigenen Filmen. Der Spagat zwischen seinem Leben als Dozent und als Filmemacher hat jedoch seinen Preis. „Ich muss mich strenger eintakten als früher", sagt Arslan.

Jedes Semester beeindrucken die Studenten ihn aufs Neue. „Herausragende Arbeiten gibt es immer wieder“, sagt er. Derzeit arbeiten etwa zwei Studentinnen an einem essayistischen Spielfilmprojekt, das sich mit feministischen Fragestellungen auseinandersetzt. „Die Arbeit der Studenten ist inspirierend“, sagt Arslan. „Auch als Lehrender bekommt man hier viel zurück.“

Während des Rundgangs zeigt die Klasse von Thomas Arslan in den Räumen 123 und 124 im Medienhaus (Grunewaldstraße 2-5) Übungen und freie Arbeiten.

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