Gestopptes Bewerberportal : Studierende kritisieren Schavan

Studierendenvertreter haben alarmiert auf den verschobenen Start des bundesweiten Zulassungssystems reagiert. Die von ihnen kritisierte Ministerin Schavan sieht die Schuld aber keineswegs bei sich.

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Nicht dabei. Wegen des Chaos könnten Tausende keinen Platz bekommen. 
Nicht dabei. Wegen des Chaos könnten Tausende keinen Platz bekommen. Foto: dpa

Jetzt ist es offiziell: Der Start des bundesweiten Zulassungssystems wird verschoben. Das erklärte am Dienstag die Stiftung für Hochschulzulassung, die das Bewerberportal „Hochschulstart“ Mitte Mai bereitstellen wollte. Studierendenvertreter reagierten alarmiert. Angesichts des prognostizierten Ansturms von Studierenden werde die Verlängerung der hochschulinternen Verfahren dazu führen, „dass Tausende ihren Weg an die Hochschulen nicht finden werden“, erklärte Florian Keller vom „Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften“ (fzs).

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sieht die Verantwortung für die technischen Probleme des zentralen Bewerberportals bei der Stiftung für Hochschulzulassung und beim Hochschul-Informations-System (HIS), das die Computersysteme der Unis mit der neuen Software verbinden sollte. Beiden Institutionen sei es nicht gelungen, „die notwendigen Voraussetzungen für die Umstellung zum Wintersemester 2011/2012 zu schaffen“, teilte Schavan mit. Berlins Wissenschaftsstaatssekretär Knut Nevermann erklärte, es sei „hochnotpeinlich“, dass das Projekt trotz eines Aufwandes von 15 Millionen Euro nicht rechtzeitig betriebsklar gemacht werden konnte. Die Stiftung kündigte einen Aktionsplan an, in dem beschrieben werde, welche Maßnahmen Länder und Hochschulen ergreifen müssten, damit das neue System „baldmöglichst starten kann“. Einen Termin nannte die Stiftung nicht.

Durch chaotische Zustände in den herkömmlichen Zulassungsverfahren können an vielen Hochschulen trotz der wachsenden Nachfrage Jahr für Jahr Studienplätze nicht besetzt werden. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur blieben blieben im Wintersemester 2010/2011 bundesweit fast 17 000 Studienplätze in Numerus-clausus-Fächern frei, das sind fast sieben Prozent aller Plätze in Studienfächern mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen. Dies gehe aus einer internen Erhebung der Kultusministerkonferenz (KMK) hervor. Betroffen seien vor allem die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, aber auch Sprachen, Ingenieurwissenschaften sowie Mathematik und Naturwissenschaften.

„Hochschulstart“ sei an der Vielzahl hochschulspezifischer Zulassungsverfahren gescheitert, die nun nicht in ein gemeinsames System zusammengeführt werden könnten, kritisierte der fzs. Schavan habe es versäumt, die Studienplatzvergabe per Gesetz einheitlich zu regeln.

Die Fraktion Die Linke im Bundestag werde noch in dieser Woche einen Antrag für ein Bundeszulassungsgesetz einbringen, kündigte Nicole Gohlke an, Hochschulexpertin der Partei. Das eigentliche Problem hinter dem Zulassungschaos sei der Studienplatzmangel. Für bundeseinheitliche Regeln und „ein funktionsfähiges System mit transparenter Studienplatzvergabe“, plädierte auch Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. „Eine schonungslose Fehleranalyse“ verlangte Swen Schulz (SPD). Die Juso-Hochschulgruppen forderten Schavan zum Rücktritt auf.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nannte die Verschiebung des Systemstarts „eine richtige und verantwortungsvolle Entscheidung“. Damit die Studienplätze für das Wintersemester möglichst vollständig und rechtzeitig besetzt werden könnten, werde die HRK erneut ihre Studienplatzbörse starten. Über das Onlineportal werden kurz vor Semesterstart noch freie Plätze angeboten.

An den Berliner Universitäten beginnt die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Bachelorstudiengänge im Wintersemester am ersten Juni und endet am 15. Juli. Eine zentrale Vergabe hält die Humboldt-Universität (HU) nur dann für sinnvoll, „wenn das neue Verfahren reibungslos funktioniert und bezahlbar ist“, erklärte HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz am Dienstag vor dem Akademischen Senat.

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