Gesundheit : Rauchen – der unterschätzte Risikofaktor für das Augenlicht

Grauer und grüner Star, Netzhauterkrankungen und Probleme mit dem Sehnerv werden durch Tabakkonsum verschlimmert.

Ronald D. Gerste

Katarakt (grauer Star), Glaukom (grüner Star), Makuladegeneration, Farbsinnstörungen, Schädigungen des Sehnervs, Trockenes Auge – diese Aufzählung umfasst die wichtigsten Erkrankungen oder Funktionsminderungen des menschlichen Sehorgans. Was all diese Störungen gemeinsam haben, ist ein Risikofaktor, bei dem viele Menschen kaum an seinen höchst schädlichen Einfluss auf das Auge denken: das Rauchen.

Rauchen ist überall auf der Welt ein wahrer Sensenmann: pro Stunde sterben auf unserem Planeten 140 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums – was kaum verwunderlich ist, wenn man sich verdeutlicht, dass sich beim Verbrennen einer Zigarette zwei Liter Rauch entwickeln und dass dieser nicht weniger als 40 krebserregende Substanzen enthält. Dieser appetitliche Mix hat das Rauchen zur führenden vermeidbaren Ursache eines frühen Todes gemacht – und zu einem häufigen Verstärker, wenn nicht gar Auslöser von Augenerkrankungen. Carl Erb, Leiter der Augenklinik an der Schloßparkklinik in Charlottenburg, räumte jetzt auf der Tagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Leipzig, mit dem Vorurteil auf, dass die Nikotinsucht nur für Herz und Lunge ein Verderben ist.

Die Zellgifte im Rauch schädigen nicht nur direkt die hochsensiblen Nervenzellen in Netzhaut und Sehnerv; das Rauchen verschlechtert auch die Durchblutung des Auges, um die es gerade bei an Glaukom und altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) leidenden Menschen oft nicht gut bestellt ist. „Rauchen führt zu einer Verengung der Gefäße“, erklärte Erb auf dem Leipziger Kongress, „ferner zu einer Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff und außerdem bereiten die im Rauch enthaltenen Gifte über einer Verdickung der Gefäßwände den Boden für eine Arteriosklerose. Für das Auge bedeutet das: der Blutfluss in Richtung Netzhaut, wo die Sehzellen einen hohen Nähr- und Sauerstoffbedarf haben, wird vermindert, oft mit verheerenden Folgen für das Sehvermögen.“

Einige Augenerkrankungen sind direkte Folgen solcher Gefäßprozesse wie der „Schlaganfall des Auges“ (in der Fachsprache nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie) und der plötzliche Verschluss von Netzhautgefäßen, die zu einer schlagartigen Erblindung führen können.

Eine größere Rolle spielt das Rauchen als Risikofaktor für die AMD. Erst in jüngster Zeit wurde erforscht, dass die Sucht auch einen höchst ungünstigen Einfluss auf den Verlauf eines Glaukoms hat. So haben Raucher einen statistisch deutlich höheren Augeninnendruck als Nichtraucher und sie neigen eher zu Blutungen am Rand des Sehnervenkopfes, die als ein ungünstiges Zeichen beim Glaukom gelten und oft Vorboten einer Verschlechterung des Gesichtsfeldes sind.

Doch mit Glaukom und AMD, den beiden häufigsten Erblindungsursachen hierzulande, ist Erbs Aufzählung noch nicht beendet. Die im Zigarettenrauch enthaltenen Giftstoffe fördern über eine Hemmung der Jodaufnahme und eine Stimulation aufgrund erhöhter Adrenalinfreisetzung das Krankheitsgeschehen bei der endokrinen Orbitopathie, einer schweren und durch das Hervortreten der Augäpfel die Patienten oft entstellenden Schilddrüsenerkrankung.

Auch die Augenveränderung, die wohl jeder in reiferem Alter durchmacht, die Trübung der Linse, wird durch das Rauchen beeinflusst: Raucher bekommen eher eine Linsentrübung, vor allem eine Kernkatarakt, eine Trübung der Linsenmitte. Und die vom Rauchen bewirkte Anreicherung von Kupfer, Blei und Cadmium lässt die Linse schneller altern.

An der Schutzschicht des Auges, dem Tränenfilm, hinterlässt der Rauch ebenfalls Spuren: er kann zu einem Trockenen Auge beitragen. Raucher haben häufiger Farbsinnstörungen, extreme Raucher können eine massive Sehminderung bis hin zur Erblindung durch eine Optikusneuropathie, eine regelrechte Vergiftung des Sehnerven, bekommen. Und letztlich: wer als Frau während der Schwangerschaft raucht, erhöht das Risiko, dass das Kind ein Innen- oder Außenschielen erleiden wird. Rauchen, so resümierte Erb, ist ein auf vielfache Weise wirkender Risikofaktor, der gutes Sehen gefährdet – und zugleich der am einfachsten zu beeinflussende Risikofaktor.

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