Gesundheit : Speichel hält das Gebiss gesund

Speichel hat eine ganze Reihe wichtiger Funktionen. Spült, lüftet, reinigt: Warum Spucke für die Zähne so wichtig ist.

Adelheid Müller-Lissner
Zaehne
Feuchtfröhlich. Ein gesunder Speichelfluss schützt die Zähne vor Keimen. -Foto: ddp

Das Blut gilt als besonderer Saft. Andere Körperflüssigkeiten haben dagegen ein deutlich schlechteres Image. So auch der Speichel – allein schon das Wort lässt an die wenig vornehmen Vorgänge des Speiens und Spuckens denken.

Doch der Speichel hat eine ganze Reihe wichtiger Funktionen, nicht nur als Material für die DNS-Analyse, etwa beim Vaterschaftstest.

„Speichel ist vermutlich der wichtigste Zahnerhalter“, sagt Stefan Ruhl, der seit Jahren zum Thema forscht und seit kurzem im amerikanischen Buffalo arbeitet. Die Flüssigkeit aus der Mundhöhle ermöglicht dank ihrer Gleitwirkung das Sprechen und Schlucken und macht sich bei der Aufschlüsselung der Nahrung nützlich. Außerdem schützt sie das Gewebe im Mundraum und übernimmt erste Reparaturarbeiten am Zahnschmelz. Den kann sie remineralisieren, so dass aus Vorstufen von Karies keine echte Zahnfäule wird. Grund genug, dem Thema Speichel beim „Tag der Zahngesundheit“ am 25. September bundesweit besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Spucke wird von einigen großen Drüsen im Zusammenspiel mit vielen kleinen im Mund verteilten Drüsen gebildet. Zu 99 Prozent besteht sie aus Wasser. „Spannend ist das restliche eine Prozent“, sagt Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Die Zahnmediziner interessieren sich zum Beispiel für Eiweißstoffe, die auf der Zahnoberfläche eine Art Filmschicht bilden, für Puffersubstanzen, die Säure neutralisieren, oder für das Enzym Amylase. „Es schlüsselt Stärke aus der Nahrung bereits im Mund auf und wirkt wie eine chemische Zahnbürste“, erklärt Oesterreich. „Speichel ist ein spannender Cocktail, er spült, lüftet und reinigt“, sagt auch Georg Meyer von der Uni Greifswald. Dafür müssen allerdings zwei Voraussetzungen gegeben sein: Der Speichel muss reichlich fließen und an die Zähne herankommen.

Um die Speichelproduktion anzuregen, haben wohl schon unsere Vorfahren vor über 20 000 Jahren Kieselsteine gelutscht – wie Anthropologen aus dem Zustand ihrer Zähne schließen. Meyer empfiehlt eher zuckerlose Kaugummis. „Saure Drops, die von manchen Hals-Nasen-Ohren-Ärzten ihren Patienten zur Anregung der Speichelproduktion empfohlen werden, greifen dagegen den Zahnschmelz an“, warnt der Zahnarzt. Wer ständig zuckerlose Kaugummis kaut, kann allerdings Verdauungsprobleme bekommen.

Bei Gesunden ist der Mund meist nur bei Stress trocken – weshalb es sinnvoll ist, einem Redner ein Glas Wasser ans Pult zu stellen. Neben Krankheiten wie dem Sjögren-Syndrom, bei dem Immunzellen die Tränen- und Speicheldrüsen angreifen, oder chronischen Leiden wie Diabetes können auch Medikamente zu verminderter Speichelproduktion führen, zum Beispiel Schmerzmittel oder Psychopharmaka. Besonders dramatisch ist die Xerostomie, wie die Mediziner die Mundtrockenheit nennen, nach Bestrahlungen im Mundbereich, die zur Behandlung von Krebs nötig sein können. Künstlicher Speichel und der Einsatz von Fluor müssen dann die stark gefährdeten Zähne schützen. „Wo der Speichel fehlt, brauchen die Zähne unsere besondere Unterstützung“, sagt Oesterreich.

Doch auch wo er ausreichend fließt, kann der Speichel seine Funktion als „erster Wächter des Körpers“ nicht immer erfüllen. „Dazu ist er auf gute Mundhygiene angewiesen“, sagt Meyer. Wenn sich auf dem Zahnschmelz eine dichte Plaqueschicht gebildet hat, hat der Speichel nämlich keine Chance, sich schützend vor die Zähne zu stellen.

In Zahnfleischtaschen kann die Spucke sogar zerstörerische Wirkung entfalten. „Weil dort Spülung und Belüftung wegfallen, können sich krankheitserregende Bakterien massiv vermehren, es kommt zu einer Keimverschiebung, das biologische System verändert sich in die ungünstige Richtung“, erläutert Meyer.

Entzündete Zahnfleischtaschen sind offene Wunden. Und Keime aus dem Mundraum können sogar andere Organe befallen: Inzwischen gelten sie als eine der möglichen Ursachen für eine Entzündung der Innenhaut des Herzens, die Endokarditis. Tierversuche haben zudem gezeigt, dass diese Bakterien, wenn man sie in die Blutbahn spritzt, zu Gerinnungsstörungen führen können – eine mögliche Erklärung für einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarkten.

Umso wichtiger ist es, den Bakterien nicht durch Abschottungsmöglichkeiten die Arbeit zu erleichtern. Auch dilettantische Zahnfüllungen, durch die Keime eindringen, können dazu beitragen. Die Greifswalder Forscher haben getestet, was passiert, wenn ein Loch im Zahn sauber ausgebohrt, aber nicht gefüllt wird. „Weil Speichelfluss und Belüftung ein ausgeglichenes biologisches System schaffen, hat sich auch nach Wochen kein Karies gezeigt“, sagt Meyer. Das ist zwar keine Dauerlösung. „Doch eine schlechte Füllung ist schlechter als gar keine.“

Weitere Informationen zum Tag

der Zahngesundheit unter:

www.tag-der-zahngesundheit.de

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