Gesundheit : Verdächtige Zwerge

Sogar Cremes enthalten Nanopartikel. Forscher haben jetzt untersucht, ob die Teilchen der Gesundheit schaden.

Adelheid Müller-Lissner
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Während über Chancen und Risiken der grünen Gentechnik erbittert gestritten wird, ist die Nanotechnologie in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent. Nicht nur die Kleinstteilchen, mit denen hier gearbeitet wird (siehe Infokasten), scheinen unsichtbar zu sein, sondern auch ganze Forschungsbereiche.

Dabei haben die Winzlinge unsere Gesellschaft längst erobert. Sie werden unter anderem in Sonnenschutzmitteln, in Industrieruß für Autoreifen, in leichten Tennisschlägern und Fahrradrahmen oder Bakterien abtötenden Kleidungsstücken eingesetzt. Sie sind Hoffnungsträger in der Krebsbehandlung, sollen immer kleinere Datenspeicher und effektive Solarenergieanlagen ermöglichen. Bereits im Jahr 2007 wurden in Deutschland rund 33 Milliarden Euro Umsatz mit den Produkten gemacht, berichtet der soeben erschienene Report des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zum Status quo der Nanotechnologie in Deutschland. Für 2015 prognostizieren Experten ein Weltmarktvolumen von drei Billionen Euro.

„Der Erfolg ist aber nur dann gewährleistet, wenn wir auch möglicherweise schädliche Auswirkungen der Nanotechnologie erforschen“, sagte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, bei der Vorstellung der Ergebnisse von „Nanocare“ Ende der vergangenen Woche. In dem gleichnamigen Forschungsvorhaben, das 2006 anlief und vom Ministerium mit 5 Millionen, von der Industrie mit 2,5 Millionen Euro gefördert wurde, wurden insgesamt elf verschiedene Nanomaterialien auf gesundheitliche Risiken untersucht. „Wir haben dafür nicht bei null anfangen müssen, denn es gibt schon viel Forschung zu den minimalistisch kleinen Partikeln“, sagte Harald Krug von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen, Sprecher des Konsortiums. Große Überraschungen, was konkrete gesundheitliche Risiken betrifft, waren von den Studien an Versuchstieren und im Labor also nicht zu erwarten, zumal es sich um Materialien handelt, die schon in Produkten eingesetzt werden. Rachel wertete das Projekt dennoch als erfolgreich. So wurden etwa Messverfahren zur Bestimmung der biologischen Wirkung und der Belastung am Arbeitsplatz während des Herstellungsprozesses entwickelt und Referenzwerte festgelegt. Diese hatten bislang gefehlt.

„Außerdem wurden standardisierte Arbeitsanweisungen formuliert, an denen sich internationale toxikologische Studien in Zukunft ausrichten können“, sagte Rachel. Sie würden bereits in Programmen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) eingesetzt. In zwei Folgeprojekten sollen nun die Auswirkungen auf die Umwelt („Nanonature“) und auf den menschlichen Organismus („Nanocare 2“) untersucht werden.

Ab 2012 müssen Kosmetikprodukte gekennzeichnet werden, wenn sie Nanopartikel enthalten

Für viele mögen solche grundlegenden Fragen kaum interessant sein. Sie wollen eher wissen, ob etwa die Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, deren Wirkung durch Nanoteilchen aus Titandioxid oder Zinkoxid verstärkt wird, auch für Kinderhaut unbedenklich ist. Nützlich ist der Nanozusatz, weil er den physikalischen Sonnenschutz verbessert und die Cremes transparent macht. Das EU-Projekt „Nanoderm“ hat bereits vor einiger Zeit Entwarnung geben können, was das Eindringen in die gesunde Haut betrifft: Sie wirkt als zuverlässige Barriere. Bei Nanocare wurde nun auch gezeigt, dass das Einatmen der Partikel in Konzentrationen, die im Alltag nicht erreicht werden, der Lunge von Versuchstieren nicht schadet. Laborversuche wiederum ergaben, dass auch Körperzellen auf die Nanomaterialien nur reagieren, wenn sie in hoher Konzentration mit ihnen in Kontakt kommen.

Wolfgang Kreyling vom Helmholtz-Zentrum München, Sprecher des externen Beirats, machte allerdings darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse sich nicht ohne Weiteres auf andere Nanoteilchen übertragen lassen. „Wir haben durch Nanocare gelernt, dass verschiedene Nanopartikel sich in biologischen Systemen ganz unterschiedlich verhalten.“

Die Kosmetikverordnung der EU schreibt vor, dass von 2012 an verwendete Nanomaterialien auf der Packung angegeben sein müssen. Für die Hersteller muss das kein Nachteil sein. Jedenfalls weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass bekannte französische Firmen wie Dior und L’Oréal längst damit werben, in ihrer Kosmetik Nanomaterialien zu verwenden.

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