Gesundheit : Wie viel Heilkraft in Himalayasalz steckt

Salz aus Hochgebirgen wird immer beliebter. Im Trend liegt derzeit Himalayasalz - ob es besser als herkömmliche Marken ist, bleibt fraglich.

„Gesund" ist das Stichwort, das neben „wohlschmeckend“ sofort fällt, wenn irgendwo das Gespräch auf das Himalayasalz kommt. Mit ihrem Buch „Wasser und Salz – Urquell des Lebens“ haben Peter Ferreira und Barbara Hendel dem Salz, das tatsächlich aus Abbaustätten in Pakistan stammen soll, im Jahr 2001 zu seinem Ruf verholfen, nicht nur besonders aromatisch, sondern aufgrund seines Gehalts an verschiedenen Mineralstoffen auch besonders gesund zu sein. Dem Salz wird eine „neutralisierende und ausgleichende Wirkung“ zugeschrieben, es soll gegen allerlei Krankheiten von Bluthochdruck bis zu Gelenkbeschwerden wirken.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat im Jahr 2003 die Zusammensetzung von 15 verschiedenen Proben der Salze, die auch als „Ursalze“ oder „Kristallsalze“ vermarktet werden, untersucht. Tatsächlich fand sich außer Natriumchlorid, das der Körper dringend braucht, um konstante Volumenverhältnisse von Zellen und extrazellulärer Flüssigkeit aufrechtzuerhalten, ein etwas breiteres Spektrum an Spuren anderer Mineralstoffe. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Salze als ganze Kristalle abgebaut und nicht aufbereitet werden. „Die Zahl der nachgewiesenen Stoffe bleibt aber weit hinter den Versprechungen der Werbung zurück“, heißt es in einer Mitteilung des Amtes. Statt der in Aussicht gestellten 85 Elemente habe man maximal acht Zusatzstoffe gefunden. „Zudem sind viele Elemente nur in geringsten Spuren nachweisbar.“ Eine heilende Wirkung halten die Prüfer vom Bayrischen Landesamt schon deshalb für ausgesprochen unwahrscheinlich. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) äußert sich in dieser Hinsicht skeptisch. Der Gehalt an anderen Mineralstoffen als Natrium und Chlorid in diesem Salz sei notwendigerweise so gering, „dass angesichts der üblichen Verzehrmengen dieses Produkts keinen nennenswerten Beitrag zur Bedarfsdeckung von Mineralstoffen und Spurenelementen leisten kann.“ Dass es nicht mit Jodat und Fluorid angereichert ist, die dem handelsüblichen Speisesalz heute zugesetzt werden, um Jodmangel und Karies entgegenzuwirken, wertet die DGE als Nachteil.

Autor Ferreira, der das Produkt selbst jahrelang vermarktet hat, empfiehlt in seinem Buch, Fertiggerichte aus gesundheitlichen Gründen mit dem Kristallsalz nachzusalzen. Patienten mit hohem Blutdruck sollten zur Linderung ihres Leidens einen speziellen, mit dem Salz hergestellten Aufguss zu sich nehmen. Beides ist in den Augen der DGE bedenklich. „Eine zusätzliche Einnahme des Kristallsalzes ist aufgrund einer durchschnittlich bereits überhöhten Salzzufuhr der deutschen Bevölkerung nicht zu befürworten.“

Sechs Gramm Salz am Tag reichen aus, die meisten Deutschen nehmen mehr zu sich – denn nicht nur Fertiggerichte, sondern auch Brot, Wurst und Käse kommen schon gesalzen in der heimischen Küche an. Vor allem für Menschen, die zu erhöhtem Blutdruck neigen, könnte das zu viel sein: Bei der Hälfte von ihnen reagiert der Blutdruck auf Salz besonders empfindlich.

Fazit: Auf jeden Fall enthält Himalayasalz das lebenswichtige Natriumchlorid – und auf jeden Fall sollte es wie anderes Speisesalz nur in kleinen Mengen verwendet werden.

Das Ehrfurcht gebietende Alter, mit dem die Ursalze beworben werden, ist übrigens kein Alleinstellungsmerkmal: Auch das Salz, das wir aus den Lagerstätten in Mitteleuropa beziehen, stammt letztlich aus verdunsteten Meeren und ist an die 200 Millionen Jahre alt. Es ist nicht nur billiger, sondern muss auch nicht so weit fahren, bis es auf hiesigen Esstischen landet – und das schont die Umwelt. aml

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