Gesundheitsstandort Berlin-Buch : Besser als die Natur

Ein neuer Wirkstoff soll die Ursachen von Vorhofflimmern bekämpfen.

Beatrice hamberger

Das interdisziplinäre Gründerteam von OMEICOS Therapeutics macht es vor, wie aus Wissenschaft einmal Wirtschaft werden kann. Gut zehn Jahre ist es her, dass Wissenschaftler um den Biochemiker Wolf-Hagen Schunck vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) ein bislang unbekanntes Stoffwechselprodukt von Omega-3-Fettsäuren entdeckten. Es wird durch ein spezielles Enzym der Cytochrom-P-450-Familie aus den essentiellen Fettsäuren hergestellt. Den Bucher Forschungsergebnissen nach ist es vor allem dieser „Metabolit“, der den Omega-3-Fettsäuren ihre berühmte herzschützende Wirkung verleiht. Diese Erkenntnis hat die MDC-Wissenschaftler zusammen mit der Innovationsmanagerin Karen Uhlmann auf die Idee gebracht, den neuen Wirkmechanismus gegen die häufigste Herzrhythmusstörung, das Vorhofflimmern, einzusetzen. Und eben die OMEICOS Therapeutics auszugründen. Das war im Jahr 2011.

Heute ist aus der Idee ein neuer Wirkstoffkandidat entstanden. Eine synthetisch hergestellte „Kopie“ der natürlichen Metaboliten, weil die besser und nachhaltiger wirkt als ihr Vorbild aus der Natur, wie man bei OMEICOS erklärt. Studien am Tiermodell zeigen, dass der neue Wirkstoff tatsächlich Vorhofflimmern bekämpfen kann, und zwar besser als derzeitige Arzneien. „Im Unterschied zu herkömmlichen Medikamenten behandeln wir die zugrunde liegenden Ursachen dieser chronischen Erkrankung, etwa entzündliche Prozesse“, betont der Herzspezialist und OMEICOS-Ausgründer Robert Fischer.

Ob die herzschützende Wirkung auch im Menschen gelingt, müssen klinische Studien in den kommenden Jahren erst noch zeigen. Gelingt es, käme ein völlig neuer Therapieansatz gegen Vorhofflimmern auf den Markt. „Die präklinischen Ergebnisse sind vielversprechend und das Marktpotenzial ist riesig“, sagt Karen Uhlmann mit Blick auf die rund zwei Millionen Betroffenen in Deutschland, deren Zahl aus demografischen Gründen weiter wachsen wird. Das hat auch Investoren überzeugt. Und natürlich der Glaube an die Bucher Entdeckung und dass aus ihr einmal ein Blockbuster wird. Laut Uhlmann sind noch weitere Einsatzgebiete wie die Behandlung von chronisch entzündlichen Erkrankungen vorstellbar. „Der Wirkstoff hat ein enormes Potenzial.“ bhg

Bildergalerie: Gesundheitsstandort Berlin-Buch
Kunstwerk vor dem jüngsten Laborbau des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Die circa drei Meter hohe Skulptur von Ulrike Mohr bildet das Carvon-Molekül ab, das in der Natur in den Formen (D)-Carvon und seinem Spiegelbild (R)-Carvon vorkommt. Chemisch und physikalisch betrachtet sind diese Carvon-Isomere identisch. Doch während ein Carvon-Isomer nach Minze riecht, duftet dessen Spiegelbild nach Kümmel.Weitere Bilder anzeigen
1 von 27Foto: David Ausserhofer, MDC
18.10.2013 10:45Kunstwerk vor dem jüngsten Laborbau des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC). Die circa drei Meter hohe Skulptur von...

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