GEW kritisiert Goethe-Institut : Prekäre Sprachlehrer

80 Prozent der Sprachkurse am Goethe-Institut werden von prekär beschäftigten Honorarlehrkräften gehalten - das kritisiert die GEW. Dass gerade im Bildungsbereich besonders viele Lehrkräfte prekär beschäftigt sind, sei ein "Skandal".

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Deutsch lernen. Das Goethe-Institut bietet in Deutschland Sprachkurse für Zugezogene an.
Deutsch lernen. Das Goethe-Institut bietet in Deutschland Sprachkurse für Zugezogene an.Foto: Imago

An den Hochschulen klagen die Lehrbeauftragten schon lange über ihre unsicheren Arbeitsverhältnisse. Jetzt macht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf eine weitere Bildungs- und Kultureinrichtung aufmerksam, die aus Sicht der Gewerkschaft hochqualifizierte Lehrkräfte prekär beschäftigt. Das Goethe-Institut, in vielen Ländern bekannt für die Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur, verlasse sich bei seinen Kursen hierzulande zum großen Teil auf Honorarkräfte, die deutlich schlechter gestellt seien als Festangestellte. "Das Goethe-Institut hat weltweit einen guten Ruf - nur bei seinen Beschäftigten nicht", kritisierte Marlis Tepe, die Vorsitzende der GEW, am Dienstag in Berlin.

Honorarkräfte geben 80 Prozent der Sprachkurse

Neben der Zentrale in München und zahlreichen Instituten im Ausland betreibt das Goethe-Institut auch 13 Einrichtungen in Deutschland. Diese bieten Zugezogenen Kurse für Deutsch als Fremdsprache an - im "hochpreisigen" Segment, etwa für Diplomaten, wie Tepe sagte. Dennoch habe das Goethe-Institut in Deutschland seit rund zwanzig Jahren keine Lehrkräfte neu eingestellt. Rund 80 Prozent der Sprachkurse werden nach GEW-Angaben daher inzwischen von Honorarlehrkräften geleitet. Wie Festangestellte auch haben sie in der Regel einen akademischen Abschluss und eine Zusatzqualifikation für Deutsch als Fremdsprache. Dennoch verdienten sie nur die Hälfte, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, sagte Tepe. Die Honorarkräfte seien zudem sozial deutlich schlechter gestellt, weil sie Renten- und Krankenversicherung komplett selber tragen müssen und keinen Anspruch auf Kranken- oder Urlaubsgeld haben. Bei einem Stundensatz zwischen 27,66 und 34,11 Euro brutto kommen die meisten so auf einen Nettoverdienst von 1200 bis 1400 Euro im Monat - bei einer Vollzeitarbeit.

"Krank werden kann man sich gar nicht leisten"

Allein am Berliner Institut sollen rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein. So wie Dieter Wardenbach, der seit 15 Jahren als Honorarkraft beschäftigt ist. Der Lohn berücksichtige allein die Unterrichtszeit, kritisiert Wardenbach. Vor- und Nachbereitung würden dagegen nicht berücksichtigt, obwohl etwa die Korrektur von Sprachtests viel Zeit in Anspruch nehme. Belastend sei vor allem die ständige Unsicherheit: Oft wüsste er erst kurzfristig, ob er neue Kurse geben kann. Krank zu werden könne er sich wegen der fehlenden sozialen Absicherung eigentlich gar nicht leisten.

Tarifverhandlungen gefordert

Tepe sagte, bisher habe sich der Vorstand des Goethe-Instituts geweigert, Gespräche über Tarifverhandlungen für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzunehmen. Das müsse sich endlich ändern: "Die Honorarkräfte sorgen fast im Alleingang dafür, dass das Sprachkurs-Angebot läuft." Neben höheren Löhnen fordert die GEW eine Beteiligung des Goethe-Instituts an den Sozialversicherungskosten und eine verlässliche Perspektive auf eine langfristige Beschäftigung. Tepe nannte es einen "Skandal", dass gerade im Bildungsbereich besonders viele Lehrkräfte prekär beschäftigt sind.

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