GEZEITEN : Der Mond beeinflusst die Meere mehr als den Menschen

Die Gezeiten sind eine unstrittige Fernwirkung des Mondes. Sie gehen im Wesentlichen auf seine Gravitationskraft zurück. Diese Kraft hängt einerseits von der Masse ab, wesentlich stärker jedoch von der Entfernung: Je näher der Mond der Erde ist, desto stärker ist sie. Alles, was sich auf der mondzugewandten Seite unseres Planeten befindet, wird besonders stark zu ihm hingezogen. Und zwar nicht nur das Wasser.

Die ganze Erdkruste wölbt sich um rund 30 Zentimeter zu dem Himmelskörper hin. Allerdings sind die Gesteine relativ starr und machen die von der Anziehungskraft erzwungene Bewegung nicht so gut mit wie das leicht verformbare Wasser. Das kommt dem Mond noch etwas näher: Es entsteht ein Flutberg.

Die gegenüberliegende Seite der Erde ist weiter vom Mond entfernt, folglich ist die Gravitationskraft geringer. Dort dominiert eine andere Größe, die Trägheit. Die Erdkruste und das Wasser auf der abgewandten Seite „sträuben“ sich gegen die Bewegung in Richtung Mond, es entsteht ein zweiter Flutberg. Der ist den Gesetzen der Mechanik zufolge sieben Prozent niedriger als die Beule auf der mondnahen Seite.

In der Praxis fällt das kaum auf. Beide Berge würden auf einer ausschließlich von Wasser bedeckten Erde nicht mal einen halben Meter in die Höhe ragen. Hier zeigt sich, dass der Begriff „Berg“ hemmungslos übertrieben ist. Bei einem Erdradius von knapp 6400 Kilometern ist die vom Mond verursachte Höhenänderung winzig.

Dass an den Küsten teilweise ein Tidenhub von mehr als zehn Metern gemessen wird, hat mehrere Gründe. Zunächst sind die Flutberge nicht ortsfest. Sie orientieren sich am Mond, der die Erde binnen 27,3 Tagen einmal umrundet. Die Eigenrotation der Erde ist aber viel schneller (24 Stunden pro Umlauf), so dass sich die Oberfläche unter den Flutbergen hinweg dreht. Binnen 24 Stunden und 50 Minuten erfährt jeder Küstenort deshalb zweimal Flut und zweimal Ebbe.

Die konkrete Änderung des Wasserstands hängt von der Gestalt des Meeresbodens und der Küsten ab. Drückt der Flutberg zum Beispiel in eine schmale Flussmündung, wird das Wasser regelrecht aufgetürmt.

Selbst die Flutberge variieren in der Höhe, da nicht nur die Gravitation des Mondes an der Erde zerrt, sondern auch die der Sonne. Weil sie aber viel weiter entfernt ist, ist ihr Einfluss nur halb so groß.

Bezogen auf einen einzelnen Menschen ist die Kraft des Mondes sehr gering. Der Astronom George Abell hat es einmal ausgerechnet. Demnach ist die Gravitationskraft einer Mücke, die auf dem Arm eines Menschen sitzt, größer als die des fernen Mondes. nes

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