Gezwitscher mit Syntax : Japanmeisen zwitschern in ganzen Sätzen

Die Gabe, in komplexen Sätzen miteinander zu kommunizieren, ist offenbar nicht nur dem Menschen vorbehalten. Das schließt ein Forscherteam aus Japan, Schweden und der Schweiz aus Beobachtungen der Japanmeise.

Kohlmeise im Winter
Talent für Sprache. Die Reihenfolge der Töne, die Meisen machen, bestimmen den Sinn.Foto: picture alliance / ZB

Die Japanmeise beherrsche das Kommunizieren in einer Art von Sätzen. Dabei ergeben die Töne, je nachdem in welcher Reihenfolge die Tiere sie aussenden, einen bestimmten Sinn für die Artgenossen, berichtet das Team in „Nature Communications“. Die Singvogelart ist dafür bekannt, besonders viele Rufe in ihrem Repertoire zu haben.

Die Wissenschaftler um Toshitaka Suzuki sprechen von „soliden Beweisen“ dafür, dass die Meisen eine Syntax benutzen, „um komplexe Botschaften auszusenden“. Die Kombination von Ruflauten wie etwa „A-B-C-Rufe“ bedeuten „pass auf“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Zürich. Diese Rufe werden geäußert, wenn sich ein Sperber oder ein Nesträuber nähert – eine potenziell gefährliche Begegnung. „D-Rufe“ hingegen heißen soviel wie „komm hierher“. Die Vögel verwenden diesen Ruf, wenn sie eine neue Futterquelle entdeckt haben, oder um ihren Partner zum Nest zu rufen. Je nachdem, was die Vögel zwitschern, prüfen die Artgenossen den Horizont auf Räuber – oder sie nähern sich ohne Angst.

Für die Untersuchung stellten die Forscher die Töne nach und veränderten dabei auch deren Abfolge. Immer dann, wenn sie eine abweichende Kombination der den Vögeln bekannten Tonreihen aussendeten, passierte in der Regel nichts. Die Tonfolge ergab demnach offenbar keinen Sinn. Die Forscher schließen daraus, dass Syntax keine Besonderheit der menschlichen Sprache ist, sondern sich auch in der Vogelwelt unabhängig entwickelt hat. „Indem die Kohlmeisen verschiedene Rufe kombinieren, können sie mit einem limitierten Vokabular neue Bedeutungen generieren“, erläutert Michael Griesser von der Uni Zürich. Das erlaube ihnen, bestimmte Reaktionen auszulösen und damit vielfältige soziale Interaktionen zu koordinieren. AFP/nes

0 Kommentare

Neuester Kommentar