Wissen : Glücklich mit vielen Schulformen Was neu ist am Bildungskonsens in NRW

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In Nordrhein-Westfalen haben die rot-grüne Landesregierung und die CDU einen „historischen Schulkonsens“ gefunden. Am Mittwoch einigte man sich im Landtag nun auch offiziell darauf, frühere Gesetzentwürfe bis zum Ende der Sommerpause durch einen neuen gemeinsamen Entwurf zu ersetzen. Doch was ist wirklich neu am NRW-Schulsystem, das mindestens 12 Jahre Bestand haben soll?

Zunächst entsteht ein Nebeneinander verschiedenster Schulformen: Nach der Grundschule soll es sechs weiterführende Schularten geben – Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Sekundarschule, Gesamtschule und Berufskollegs. Die Landesregierung garantiert, dass sie von sich aus nicht die Schließung von Hauptschulen oder ihre Fusion mit Realschulen vorantreiben wird. Zu rechnen ist aber damit, dass der Kindermangel in vielen Kommunen mit der Schulvielfalt aufräumt. Immer mehr Gemeinden werden Sekundarschulen gründen, in denen Haupt- und Realschulen aufgehen.

Sekundarschule

Sie wird als einzige neue Schulform eingeführt. An der Sekundarschule werden die Schüler in den Klassen 5 bis 10 unterrichtet. Verbindlicher gemeinsamer Unterrichtet findet in den 5. und 6. Klassen statt – „gemeinschaftlich und differenzierend“. Was ab der 7. Klasse passiert, um die Schüler auf den Real- oder Hauptschulabschluss oder auch das Abitur vorzubereiten, beschließt die Schulkonferenz. Möglich sind integrierter oder teilweise integrierter Unterricht sowie zwei bis drei getrennte Lerngruppen, die auf die herkömmlichen Abschlüsse hinarbeiten. Das geht weiter als in der von der CDU ursprünglich favorisierten „Verbundschule“: Sie sollte lediglich getrennte Haupt- und Realschulzweige anbieten.

Direkt an den Sekundarschulen angeboten werden der Haupt- und der Realschulabschluss. Den Weg zum Abitur machen Kooperationen von Sekundarschulen mit Gymnasien, Gesamtschulen oder Berufskollegs frei. Wenn es in einer Gemeinde kein Gymnasium gibt und genug Schüler vorhanden sind, kann statt einer Sekundarschule aber eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe gegründet werden.

Gesamtschule

Neu zu gründende Gesamtschulen sind der Ersatz für die von Rot-Grün gewollten Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe. Insbesondere für Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ist es ein großes Zugeständnis an die CDU, auf die eine Schule für alle Kinder zu verzichten, doch die neuen Gesamtschulen sind für sie offensichtlich ein guter Kompromiss: „Entscheidend ist, was in der Schule steckt, nicht, wie sie heißt.“ Die Gemeinschaftsschulen sollten mehr Freiheiten haben als Gesamtschulen, neue pädagogische Konzepte etwa beim längeren gemeinsamen Lernen zu erproben.

Doch auch dafür gibt es weiterhin eine Chance. Denn die zwölf Gemeinschaftsschulen, die vor dem Schulkonsens bereits genehmigt wurden, genießen „Bestandschutz“. Sie können zum Schuljahresbeginn im September starten und 12 Jahre lang wie geplant als Schulversuch betrieben werden – allerdings ohne eigene Oberstufe. Danach sollen sie in das Regelschulsystem überführt werden. Unklar sei noch, ob sie auch „Gemeinschaftsschule“ heißen dürften, heißt es im Ministerium. Amory Burchard

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