GLÜCKSFALL ARCHAEOPTERYX : Begraben in der Lagune

Was hätte nicht alles schiefgehen können, und den gefiederten Urtieren aus dem heutigen Bayern wäre die späte Karriere als Fossil-Stars versagt geblieben. Es gehört schon viel Glück dazu, um nach 147 Millionen Jahren noch so gut auszusehen wie Archaeopteryx – und entdeckt zu werden.

Der helle Kalk, in dem die krähengroßen Tiere gefunden wurden, stammt aus einem flachen Meer. Darüber hinweggeflattert sind die Fluganfänger kaum. Vielleicht wurden sie von einem Sturm dorthin geweht, vielleicht starben sie bereits eher und ihre Kadaver wurden in die jurazeitlichen Lagunen gespült. „Darin war der Salzgehalt deutlich erhöht, so dass es vermutlich keine Räuber oder Aasfresser gab, die Archaeopteryx angefressen hätten“, sagt Olaf Elicki, Paläontologe an der TU Freiberg. Stattdessen wurden die Kadaver langsam von Kalkschlamm bedeckt. „Das Material ist so feinkörnig, dass sogar die Federstrukturen bis heute erkennbar sind.“ Bei einem groben Sand wäre das undenkbar.

Im Lauf der Jahrmillionen wurde der Kalk durch die Last der darüberliegenden Schichten zusammengepresst und verfestigt, mitsamt Archaeopteryx. Dessen Weichteile wurden von Mikroben abgebaut, Hartteile „versteinerten“. Das heißt: Die Knochensubstanz wird durch chemische Reaktionen im Sediment zu stabilen Mineralen umgewandelt. Es ist also nicht das originale Skelett, was zerdrückt im Kalk liegt, sondern eine Nachbildung.

Derzeit arbeiten Berliner Forscher daran, mithilfe von CT-Aufnahmen und speziellen Computerprogrammen, den plattgedrückten Archaeopteryx dreidimensional wiederauferstehen zu lassen. Dann soll auch ein Skelett des Tieres auf einem Spezialdrucker „ausgedruckt“ werden. nes

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