Wissen : Großes Glück

304346_0_dcce4f42.jpg
Foto: HU/Promo

Es ist wunderbar, dass Preußen vor 200 Jahren mit der Berliner Universität ein Modell geschaffen hat, das richtungweisend wurde für Universitätsgründungen weltweit. Und es ist toll, in dieser Tradition zu stehen. Gleichzeitig trägt diese Tradition den Nationalsozialismus, ja die ganze deutsche Geschichte mit auf ihren Schultern. Ich bin immer sehr dankbar, wenn meine Uni daran denkt. Als 2001 einige der in der Nazizeit relegierten jüdischen Promovenden rehabilitiert wurden, war das ein überfälliger Akt der Wiedergutmachung.

Als wirklich großes Glück empfinde ich auch, dass diese Universität nach 1989 komplett neu angefangen hat. Das war für viele DDR-Kollegen ein schmerzlicher Prozess. Gleichzeitig war es auch eine ungeheure Aufbruchstimmung. In Westdeutschland war ja vieles sehr eingefahren. Hier kamen plötzlich Leute aus ganz unterschiedlichen Gegenden zusammen – und wir schafften einen Neustart aller am Nullpunkt. Bereichernd war es auch, zu erfahren, was in der DDR los war. Für dieses andere Deutschland hatten wir uns im Westen ja kaum interessiert.

Beim letzten Elitewettbewerb haben wir einen ziemlichen Dämpfer erfahren. Die Freie Universität hingegen ist in den letzten zehn Jahren zu einer exzellenten Universität geworden. Ich wünsche der HU, dass auch sie noch einmal komplett neu durchstarten kann. Durch diese ganzen Präsidentenwechsel und die Kürzungen sind wir immer wieder zurückgeworfen worden. Aber wir haben gerade auch mit den guten Frauen, die in den letzten Jahren berufen worden sind, ein großes Potenzial.

Christina von Braun ist seit 1994 Professorin für Kulturwissenschaft an der HU.

0 Kommentare

Neuester Kommentar