Wissen : „Grundgehalt für alle Studenten“

CHE schlägt einheitliche Studienfinanzierung vor

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„Schwer durchschaubar, schwer kalkulierbar sowie nicht risikolos“ – so stellt sich in Augen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) das deutsche System der Studienfinanzierung dar. Wenn Studierende Geld vom Staat bekommen, sei es für sie nicht immer absehbar, wie viel sie eigentlich später zurückzahlen müssen, heißt es in einer unlängst veröffentlichten Studie des CHE zu dem Thema. Das als marktliberal geltende CHE fordert deswegen eine umfassende Reform der Studienfinanzierung. Kern der Reform solle eine Art neues Grundgehalt für Studierende werden, das jeder unabhängig von seiner Herkunft bekommt.

Die Vielfalt der staatlichen Instrumente zur Studienfinanzierung sei inzwischen zu groß, heißt es . Neben dem Bafög, das nur teilweise zurückgezahlt werden muss, können Studierende derzeit von staatlichen Banken Darlehen zu unterschiedlichen Preisen aufnehmen. Dazu kommen Stipendien der Begabtenförderungswerke. Bundesbildungsministerin Annette Schavan will zudem ein Nationales Stipendiensystem einführen. Wenn Studierende mehrere dieser Finanzhilfen in Anspruch nähmen, könnten sie schnell den Überblick verlieren, warnt das CHE. Das würde bedürftige Abiturienten womöglich vom Studium abschrecken.

Das System solle unter dem Dach des Bafögs vereinheitlicht werden, schlägt das CHE vor. Alle Studierenden sollten eine Art Grundgehalt vom Staat bekommen. Ähnlich gehen derzeit die Niederlande und Dänemark vor. Finanziert würde das Modell, indem der Staat künftig das Kindergeld und die Kinderfreibeträge für Eltern von Studierenden abschafft. In der Höhe des Kindergeldes – also um 200 Euro – könnte auch dieser Basissatz für Studierende liegen, sagt Ulrich Müller vom CHE.

Bedürftige und an den Hochschulen bisher unterrepräsentierte Gruppen würden nach dem CHE-Modell zusätzliche Zuschüsse erhalten, womöglich mehr als bisher beim Bafög. Wer noch mehr Geld braucht, sollte ein verzinstes Darlehen aufnehmen. Das neue Stipendiensystem hält das CHE prinzipiell für eine gute Idee. Schavan müsse aber „sicherstellen“, dass die Stipendien auch an Studierende aus bildungsfernen Schichten gehen. Die Erhöhung der Stipendiatenquote von knapp drei auf zehn Prozent dürfe „kein Selbstzweck“ sein, sondern müsse mit gesellschaftspolitischen Zielen verknüpft werden.

Schavan will es den Hochschulen überlassen, nach welchen Kriterien sie die Stipendien verteilen. Nach dem Gesetzentwurf für das Stipendiensystem sollte Förderung nach Leistung und Begabung vergeben werden, sagte Schavan am Dienstag. Dabei zähle auch die Bereitschaft sich sozial zu engagieren – und die „Überwindung von Hindernissen in der eigenen Bildungsbiografie“. Das mache es den Hochschulen möglich, gezielt auch Migranten zu fördern, deren Leistungen nicht durchgehend sehr gut seien. tiw/-ry

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