• Gutachten zum Deutschlandstipendium: Deutschlandstipendium für wenige, das aber ausgewogen

Gutachten zum Deutschlandstipendium : Deutschlandstipendium für wenige, das aber ausgewogen

Das Deutschlandstipendium bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück, derzeit werden 0,84 Prozent der Studierenden gefördert. Die soziale Herkunft der Stipendiaten ist aber ähnlich wie die der Studierenden insgesamt.

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Studierende sitzen in einem Hörsaal.
Von den 2,7 Millionen Studierenden in Deutschland werden derzeit 0,84 Prozent mit einem Deutschlandstipendium gefördert. Bei der...Foto: picture alliance / dpa

Unter den staatlichen Hochschulen tun sich die Universitäten am schwersten mit dem Deutschlandstipendium. Dort erhalten nur 0,9 Prozent der Studierenden das 2011 von der Bundesregierung eingeführte Stipendium von 300 Euro, das je zur Hälfte vom Bund und von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen finanziert wird. An Fachhochschulen sind es 1,04 Prozent, an Kunsthochschulen 1,96 Prozent. Am wenigsten Studierende werden mit 0,8 Prozent an den Privathochschulen gefördert. Zehn Prozent aller Hochschulen haben sich gar nicht an dem Programm beteiligt. Das sind zentrale Ergebnisse einer ersten Evaluation des Deutschlandstipendiums.

Ministerin Wanka lobt die "erstaunlich schnelle Entwicklung"

Im bundesweiten Schnitt liegt die Förderquote nach den verfügbaren Zahlen von 2014 bei 0,84 Prozent und damit noch immer weit unter der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gesetzten Zielmarke von zuletzt 1,5 Prozent. Bei der Einführung war zunächst von zehn Prozent, dann von acht und schließlich von zwei Prozent die Rede. Ministerin Johanna Wanka (CDU) wies am Mittwoch gleichwohl erneut Kritik zurück: Dass mittlerweile 22 500 Studierende ein Stipendium erhalten, sei nach vier Jahren eine „erstaunlich schnelle Entwicklung“.

Vom Budget wurden wieder nur 65 Prozent ausgeschöpft

Nach Zahlen, die dem Tagesspiegel vorliegen, war aber auch 2015 der Haushaltsansatz für das Stipendium zu hoch. Von den angesetzten 47,4 Millionen Euro wurden nur 32 Millionen ausgezahlt. 2014 waren ebenfalls 47,4 Millionen angesetzt, von denen nur 29,8 Millionen abflossen, was der Bundesrechnungshof zum wiederholten Male kritisierte. Wanka sagte auf Nachfrage, das Geld werde vorgehalten, „damit wir die Prozentsätze, wenn sie erreicht werden, auch erfüllen können“. Ekin Deligöz, Bundestagsabgeordnete der Grünen, folgert aus der erneut nur 65-prozentigen Ausschöpfung, dass Wanka zu Unrecht am Deutschlandstipendium festhalte. Es wäre „sinnvoller, das Geld ins Bafög zu stecken, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen“.

Zusammensetzung der Stipendiaten ähnlich wie die aller Studierenden

Um die soziale Zusammensetzung der Stipendiaten geht es in einer Begleitstudie, für die rund 2300 Geförderte befragt wurden. Kriterien für die Vergabe sind sehr gute Studienleistungen und ehrenamtliches Engagement, auch Hindernisse in der Bildungsbiografie sollen zählen. Tatsächlich werden mit 28 Prozent überproportional viele Studierende mit Migrationshintergrund gefördert, im Schnitt aller Studierenden sind es 23 Prozent. Ausländer profitieren weniger, insgesamt studieren zwölf Prozent an deutschen Hochschulen, beim Stipendium sind es nur sieben Prozent. Beim Frauenanteil und beim Bildungshintergrund der Eltern gibt es dagegen kaum Unterschiede. Allerdings wird immer wieder kritisiert, dass Akademikerkinder beim Hochschulzugang im Vorteil sind: Ihr Anteil von rund 50 Prozent an den Hochschulen - und bei den Deutschlandstipendiaten - liegt weit über der Akademikerquote in der Bevölkerung insgesamt.

Unternehmen motiviert die Chance, Nachwuchskräfte zu gewinnen

Die unterschiedlichen Erfolge beim Einwerben der Stipendien erklärt Gutachter Thomas Krüger vom Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn vor allem mit unterschiedlich ausgebauten Fundraisingkulturen. Von regionalen Faktoren wie der Wirtschaftskraft sei der Anteil der Geförderten dagegen weitgehend unabhängig.

Was aber motiviert die Unternehmen, Stipendienanteile zu übernehmen? Laut Begleitstudie wollen sie sich gesellschaftlich engagieren, aber auch „mit begabten Studierenden in Kontakt kommen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen“, heißt es. Inwiefern auch die steuerliche Absetzbarkeit, durch die Private letztlich nur 32 Prozent beitragen, motivierend wirkt, wurde nicht gefragt.

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