Wissen : Hans Dampf für Kultus

Knut Nevermann wird Jürgen Zöllners neuer Staatssekretär für Wissenschaft

Foto: ddp
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Knut Nevermann wird Staatssekretär für Wissenschaft in Berlin. Ab 1. November soll er Hans-Gerd Husung folgen, der am Montag zum neuen Generalsekretär der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) gewählt wurde. Nevermann, zwischen 2006 und 2009 Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst in Sachsen, ist seit Jahrzehnten bundesweit in der Kultuspolitik als Hans Dampf in allen Gassen unterwegs. Der heute 66-jährige Sozialdemokrat war Abteilungsleiter der kulturbeauftragten Staatsminister der Bundesregierung Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin und Christina Weiss (1998 bis 2006).

Zuvor, seit 1988, war der Sohn des einstigen Hamburger Bürgermeisters Paul Nevermann und jüngere Bruder von Anke Fuchs, der früheren Bundesgeschäftsführerin der SPD, Staatsrat in der Kulturbehörde Hamburgs sowie bald auch Hamburgs Bevollmächtigter beim Bund. Nach Hamburg war er aus seiner Position als Direktor des Landesinstituts für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen gewechselt. Nevermann hatte sich Bildungskompetenz als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin erworben. Der Jurist wurde mit einer Arbeit über rechtliche Fragen der Schulaufsicht promoviert, später habilitierte er sich in Politologie.

Nach Berlin war Nevermann schon als Student gekommen. Während der 68er Revolte engagierte er sich als Mitglied des Sozialdemokratischen Hochschulbunds. Er wurde Asta-Vorsitzender an der FU und organisierte nach dem Tod von Benno Ohnesorg die Proteste. Heute ist Nevermann, der zuletzt als Berater im Kulturmanagement gearbeitet hat, der FU als Dozent am Institut für Kultur- und Medienmanagement verbunden.

Nevermann gilt als machtbewusster Politiker, der klare Ansagen schätzt, die er aber mit hanseatischer Kühle vorträgt. Aufsehen erregte 2004 ein internes Papier Nevermanns, das als Vorschlag verstanden wurde, die Birthler-Behörde für Stasi-Unterlagen aufzulösen.

Stürmische Zeiten dürfte Nevermann in der Berliner Hochschulpolitik bis zur Wahl nicht erleben, denn Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner hat die großen Weichen inzwischen gestellt und die großen Widerstände dagegen überwunden. Dabei kam ihm sein ausgleichend auftretender Staatssekretär Husung zu Hilfe: im Streit um die Einstein-Stiftung oder um die neuen Hochschulverträge. Zöllner lobte Husung zum Abschied für die Arbeit an der komplizierten Umstellung auf ein neues Modell für die Hochschulverträge sowie als Vorsitzenden der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Ausgestaltung des Hochschulpaktes 2020, der Berlin beim Aufbau tausender neuer Studienplätze hilft. An den Hochschulen schätzte man Husung auch wegen seines Engagements für die Lehre und für die Förderung von Wissenschaftlerinnen. akü

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