Wissen : Heftiger Streit ums Sparen in Hamburg Lenzen betont aber,

er sei nicht amtsmüde

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Die Fachbibliothek im Philosophenturm für Französisch und Italienisch ist wegen Sparmaßnahmen geschlossen, heißt es in einer Hausmitteilung. Ein Vorbote für harte Zeiten, die auf die Universität Hamburg zukommen? Seit der Senatshaushaltsklausur Anfang des Monats kursiert auf dem Campus die Frage, wie viel dem neuen SPD-Senat der Hansestadt Wissenschaft und Forschung noch wert sind.

Nach den Sparplänen soll nun auch die erst im Vorjahr unter dem schwarz-grünen Senat angelaufene Forschungs- und Wissenschaftsstiftung zum Ende 2012 abgeschafft werden. Derzeit fließen dort jährlich elf Millionen Euro vom Land. Diese Summe bleibe dem Forschungsbereich erhalten und werde künftig nur über andere Wege verteilt, sagt ein Sprecher der Wissenschaftsbehörde. Von einem Abschied aus der Exzellenzförderung könne keine Rede sein. Doch die scientific community in Hamburg ist alarmiert.

Auch die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft reagiert mit Unmut. Das Thema wird nach etwas mehr als zwei Monaten Amtszeit zum Prüfstein für Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), der seinen Wahlkampf im vergangenen Winter maßgeblich auf Glaubwürdigkeit aufgebaut hatte. Darauf jedenfalls zielt Unipräsident Dieter Lenzen ab. Er fragt, ob der in Hamburg so sehr bemühte Begriff der „ehrbaren Kaufmannschaft“ womöglich nur eine Floskel sei, denn man habe ihm vor Amtsantritt versprochen, dass das Budget bis 2014 gleich bleibe. Nach eigenen Berechnungen müsse seine Uni nun aber mit 20 Millionen Euro weniger auskommen, sollte die SPD ihre Sparvorhaben realisieren. Einer Spekulation des „Hamburger Abendblatts“, ob Lenzen Hamburg womöglich wieder verlassen will, tritt dieser allerdings entgegen. Seine Aussage gegenüber der Zeitung, ihm lägen Angebote von vier anderen Hochschulen vor, sei missverständlich interpretiert worden. Er freue sich vielmehr über die Solidaritätsbekundungen aus anderen Universitäten wie etwa vom Präsidenten der Uni Kiel.

Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) will versuchen, die Wogen am Mittwoch bei einem Treffen mit allen Hamburger Hochschulpräsidenten und -kanzlern zu glätten. Die Behörde widerspricht dem Sparszenario der Hochschulen, nach dem sechs bis zehn Prozent ihrer Etats gestrichen werden sollen.

Der Akademische Senat der Uni Hamburg fordert unterdessen neben der Rücknahme der Sparandrohungen auch den Verzicht auf Studiengebühren bereits von diesem Wintersemester an und nicht erst ab Winter 2012, wie es der Hamburger Senat sich vorgenommen hat. Dieser betont, dass eine vollständige Kompensation haushaltstechnisch bereits in diesem Jahr unmöglich sei. Daher könne es erst im nächsten Jahr den Wegfall der Gebühren geben.Dieter Hanisch

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