Wissen : Helle Köpfe

Das Berliner Unternehmen LichtVision wirkt mit am Bild der Stadt. Die jungen Firmengründer kommen aus der TU

Sybille Nitsche

Lange Blicke schöner junger Menschen und andere bunte Bilder, große Formate und schnelle Schnitte: Wer Energie erzeugt, dem steht es gut zu Gesicht, der Stadt eine innovativ illuminierte Fassade zu zeigen. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall, der vor kurzem die alteingesessene Bewag übernommen hat, ließ sich von dem Berliner Unternehmen LichtVision eine Medienfassade für den Sitz seiner neuen Europazentrale in Berlin-Mitte entwerfen.

Ein attraktiver Auftrag für das junge Planungsbüro. Gegründet wurde LichtVision 1997. Die TU-Absolventen Karsten Ehling, Thomas Müller, Thomas Knoop und Raoul Hesse hatten sich als wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für Elektronik und Lichttechnik gefunden. Heute sind bei LichtVision 14 Mitarbeiter angestellt, darunter Lichtplaner, Architekten, Industriedesigner, Ingenieure und Elektroniker. Sie entwerfen Beleuchtungssysteme für Fassaden, Säle und Architektur mit Tages- und Kunstlicht, bauen die Lichtsteuerung – und planen optisch anspruchsvolle Medienfassaden.

Im Auswärtigen Amt

Mit dem Vattenfall-Projekt kam moderne Medienkunst in den öffentlichen Raum: Das Säulenportal an der Ecke von Chausseestraße und Invalidenstraße in Berlin-Mitte wirft bunte Videobilder in die Nacht. 18 großflächige Fensterscheiben mit spezieller Beschichtung ermöglichen einen Wechsel vom durchsichtigen in den „blinden“ Zustand als Projektionsfläche.

LichtVision ist inzwischen zu einer gefragten Adresse für Bauherren geworden, die ihre Arbeit ins rechte Licht rücken wollen: Das Planungsbüro entwarf das Beleuchtungskonzept für den Konferenzsaal des Auswärtigen Amtes im Gebäude der ehemaligen Reichsbank. Auch für die neue Dachbeleuchtung des Sony-Centers am Potsdamer Platz, die nach Plänen von Yann Kersalé entstand, entwickelte LichtVision eine technische und wirtschaftliche Alternative für die Leuchten, die bereits nach fünf Jahren komplett ausgetauscht werden mussten. Der leuchtende Schriftzug am Universal-Gebäude an der Stralauer Allee stammt von LichtVision wie auch das Lichtkonzept für das Museum für moderne Kunst im italienischen Bozen.

„Ein Gebäude mit Licht in Szene zu setzen, ist in den letzten Jahren für Unternehmen immer wichtiger geworden“, sagt Thomas Knoop, einer der Gründer. Firmen präsentieren sich über die beleuchtete Immobilie in der Öffentlichkeit. Gerade für Firmen wie Versicherungen oder eben Vattenfall, deren Produkte schwer zu visualisieren sind und keine sinnliche Komponente haben, öffnet die Inszenierung der Immobilie mittels Licht neue Wege der Imagebildung, erklärt Knoop. Sein Unternehmen berät auch andere Firmen, wenn es um die Analyse des Marktes für die von ihnen produzierten modernen Leuchten, Tageslichtlösungen, Lichtmanagement oder Gebäudeautomatisierung geht. LichtVision erstellt Marktanalysen, entwickelt Strategien für Marketing und Vertrieb und neue Produkte aus der Beleuchtungsindustrie.

Der Auftrag für das Auswärtige Amt war der Anfang der Firmengeschichte. Hilfreich waren die Kontakte von Carla Wilkins. Die Architektin tat sich mit den Absolventen zusammen und brachte ihre guten Kontakte zur „Szene“ mit. Denn hinter jedem Bauprojekt und jeder schicken Fassade stehen Bauherren und vor allem Architekten, die nach spezialisierten Subauftragnehmern suchen.

Die Technische Universität hat sich zu einer höchst produktiven Ideenschmiede für junge Unternehmer entwickelt: Viele Studenten und junge Forscher nutzen ihre Spielräume, um eigene Firmen in Gang zu bringen. Die Gründer von LichtVision bauen darauf auf, dass die Universität in der Lichttechnik seit Jahren erfolgreiche Forschung betreibt. Die TU kooperiert beispielsweise eng mit dem Lampenhersteller Osram. Der Konzern finanziert zurzeit zwei Promotionsstipendien über Entladungslampen und elektronische Vorschaltgeräte.

Auch andere aus der TU ausgegründete Firmen für Lichtmessgeräte und Lichtplanung besetzen international eine Spitzenstellung. Weiteres Beispiel aus der Forschung: Durch elektronische Steuersysteme mit Solarzellen lassen sich bei der Beleuchtung eines Gebäudes bis zu zehn Prozent Energie einsparen. Dies entspricht in Deutschland rund 15 Milliarden Euro pro Jahr.

Ingenieure der TU und der Firma Semperlux haben auch das Forschungsprojekt Arthelio durchgeführt, das die EU finanzierte. Dabei leiteten sie Tageslicht durch Hohllichtleiter in größere Gebäudetiefen. Auch bei niedrigen Sonnenständen im Winter ließ sich auf diese Weise ein fensterloses Treppenhaus über drei Etagen ausleuchten. Bei Dunkelheit oder schwachem Tageslicht kann Kunstlicht einspringen. Die Lichttechniker der TU Berlin haben in den vergangenen 25 Jahren mehr als zehn Firmen gegründet, die heute einige hundert Mitarbeiter beschäftigen.

Die Themenpalette der Lichtforschung – der Photonik – an der TU reicht von Messtechnik über Biowissenschaften bis hin zum Einsatz von Licht in der Medizin. Insgesamt 30 Professuren aus fünf Fakultäten haben sich zu einem Forschungsschwerpunkt „Photonik“ zusammengeschlossen. Sie untersuchen neue Technologien und Lösungen für die Sensorik, Materialbearbeitung, effiziente und umweltfreundliche Beleuchtung und optische Kommunikationstechnik. Sie schickt ungeheure Datenmengen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit um den Globus.

Sonne, liebe Sonne

Die Wissenschaftler setzen Lichttechnik mittlerweile sogar in der Medizin ein: TU-Forscher Mehmet Yeni hat für das Dialysezentrum in Berlin-Moabit einen Sonnensimulator entwickelt. Die intensive Lichtstrahlung soll Patienten helfen, in ihrer Haut lebenswichtiges Vitamin D zu bilden. Dieser Prozess wird normalerweise durch die Sonne stimuliert. In Niere und Leber wandelt sich das Vitamin anschließend in ein Hormon um, das gegen Erkrankungen an Herz und Kreislauf wirkt. Besonders im Winter kann es in unseren Breiten aber zu Mangelerscheinungen kommen. Der Sonnensimulator stimmt das Licht speziell auf den Hauttyp ab. Ein Lichtblick für die schwer kranken Menschen.

Im Internet unter:

www.lichtvision.de

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