HELLERS STATIONEN : Jugend im Holocaust

Agnes Heller wurde 1929 in eine bürgerliche jüdisch-ungarische Familie hineingeboren. Der Vater, eher ein Schöngeist, war Jurist, die Mutter ernährte die Familie als Hutmacherin. Während der Besetzung Ungarns durch die Nationalsozialisten ab 1944 entging Agnes Heller mehrmals der Inhaftierung und entkam einer Massenerschießung an der Donau nur um Haaresbreite. Ihr Vater wurde deportiert und in Auschwitz ermordet, ebenso wie etliche ihrer Verwandten. Die Mutter überlebte. Nach dem Krieg wurde Heller zunächst zur bekennenden Zionistin, dann zur Marxistin. Sie studierte bei dem international bekannten ungarischen Philosophen, Georg Lukács, wuchs schnell zu einer intellektuellen Figur heran und kam in Konflikt mit dem kommunistischen Regime. Heller durfte ihre Bücher nicht veröffentlichen und nicht mehr an der Universität unterrichten. Gleichzeitig blieb sie aber Teil einer Gruppe von Philosophen, die später als „Budapester Schule“ auch im Westen bekannt wurde. Als die „Budapester Schule“ zerbrach und die Isolation in Ungarn zu bedrückend wurde, emigrierte Heller 1977 gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann, Ferenc Fehér, nach Australien und begann ein neues, englischsprachiges, Leben. Sie unterrichtete zunächst als Professorin für Soziologie an der Universität Melbourne und ab 1984 als Professorin für Philosophie auf dem Hannah-Arendt-Lehrstuhl „New School of Social Research“ in New York. Immer wieder kehrte Heller, anfangs nur besuchsweise, später auch für längere Zeit, nach Ungarn zurück und pendelte schließlich zwischen den Wohnsitzen New York und Budapest. Die Zeit nach 1995 nennt sie ihre „Jahre der Wanderschaft“. Erst seit 2009 ist Heller im Ruhestand, sie fährt aber immer noch zwei Mal im Jahr nach New York, um Studentinnen und Studenten zu betreuen. roe

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