Wissen : Henry Ford II.

Der Autofabrikant förderte großzügig das Hauptgebäude der FU

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Gerne verwechseln auch gebildete Zeitgenossen Henry Ford II. mit seinem antisemitisch gesonnenen Großvater Henry Ford I. Der amerikanische Unternehmer Henry Ford I. gründete die FordWerke in Detroit und unterstützte den Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg, wofür ihm Hitler das Großkreuz des Deutschen Adlerordens verlieh. Mit seinem Großvater hat der junge Henry Ford indessen nur wenig gemein. Autoren und Wissenschaftler sind sich größtenteils einig: „Beginning with Henry Ford II succeeding generations of Fords have sought to put an end to Henry Fords I dark legacy.“

Der Namensgeber des Henry Ford-Baus, Henry Ford II., war weder Antisemit noch interessierte er sich zunächst für das große Business. Nur pro forma studierte er in Yale Soziologie, ließ sich die Diplomarbeit so dilettantisch schreiben, dass er ohne Abschluss von der Universität flog. Erst 1945 - nach erheblichen familiären Querelen und auf Drängen von Präsident Roosevelt - ließ sich der Jetsetter überzeugen, das Familienunternehmen als Chief Executive Officer zu leiten. In den Jahren von 1943 bis 1956 war Henry Ford II. Vorsitzender der Ford-Stiftung, die 1936 von seinem Vater Edsel Bryant Ford gegründet worden war.

Die Stiftung war zunächst nur lokal angelegt, wuchs aber beträchtlich an und hatte bis zum Jahre 1950 ihren Fokus auch national und international erweitert. Der Grundsatz der Stiftung lautete: „Strengthen democratic values, reduce poverty and injustice, promote international cooperation and advance human achievement.“ Das Grundkapital der Stiftung wuchs bis 1979 auf 2,2 Milliarden US-Dollar; die Schenkungen der Stiftung beliefen sich bis dahin auf rund fünf Milliarden Dollar.

Im Juni 1951 reiste Henry Ford II. gemeinsam mit dem Präsidenten der Stiftung, Paul Hoffmann, nach Berlin. Beide waren von der Entwicklung an der FU so begeistert, dass sie sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Mit der damals bombastisch hohen Summe von 8,1 Millionen Mark ließ die Stiftung das Hauptgebäude der Freien Universität mit dem Auditorium maximum, der Bibliothek und der Mensa errichten. 1953 vertrat der als autoritär und ruppig geltende Ford die USA bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Ein Jahr später unternahm er eine ausgedehnte Europareise und wurde in Deutschland vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer empfangen, ebenso wie 1958 als ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

Im Jahr 1970 besuchte Ford die Sowjetunion, nahm aber von einem Kooperationsprojekt auf Drängen des Pentagon Abstand. Bis 1979 blieb Henry Ford am Tagesgeschäft der Ford-Werke beteiligt. Als Mitglied des Treuhänderrates der Ford-Stiftung war der drei Mal verheiratete Ford 1977 unter Protest aus der Stiftung zurückgetreten. Mit diesem harschen Schritt wollte er dagegen protestieren, dass die Stiftung einige USA- und Israel-feindliche Organisationen angeblich unterstützte.

Er hoffte, dass sein Rückzug zu „some basic rethinking of staff policies and programms“ führen würde. Außerdem betonte Ford den Charakter der Stiftung als Teil des kapitalistischen Wirtschaftssystems, was von manchen subventionierten Institutionen, insbesondere den Universitäten, nach seiner Meinung zu wenig gewürdigt wurde.

Achtzigjährig starb Henry Ford II. 1987 in Detroit. ot

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