Hirnforschung : Wie sich das Gehirn vor einem Schlaganfall schützt

Neurocure: Die Charité hat einen Forschungscluster bewilligt bekommen, der sich mit neurologischen Therapien beschäftigt. 40 Millionen Euro stehen den Forschern bis 2012 zur Verfügung.

Uwe Schlicht

Was haben Schlaganfall, Multiple Sklerose und Entwicklungsstörungen des Gehirns wie epileptische Anfälle gemeinsam? Diese Leiden sind bisher nicht heilbar und können allenfalls in ihren Auswirkungen gelindert werden. Die Charité möchte sich dieser in den Ursachen noch weitgehend rätselhaften Krankheiten in der Grundlagenforschung annehmen. Das ist das große Thema des Exzellenzclusters Neurocure.

Die Wissenschaftler erklären ihren Ansatz so: Wichtiger für die Behandlung der erkrankten Patienten sei nicht das Retten von Nervenzellen, sondern das Bewahren von Funktionen. Das habe das Beispiel von Alzheimerpatienten gezeigt, bei denen nicht wie bei Schlaganfallpatienten Nervenzellen vernichtet werden, sondern in großer Zahl erhalten bleiben und dennoch nicht mehr funktionieren. Da das Gehirn seine eigenen Schutzmechanismen auch gegen den Schlaganfall habe, müsse man jetzt ermitteln, wie diese Mechanismen funktionieren, um sie dann verstärken zu können. Sollte das gelingen, dann könne man auf einige Medikamente verzichten, die bei Schlaganfallpatienten eingesetzt werden, aber Nebenwirkungen mit sich bringen.

Andererseits habe sich gezeigt, dass es bereits heute Medikamente gebe, die für ganz andere Erkrankungen als die des Gehirns entwickelt worden seien und sich doch bei der Behandlung von Gehirnerkrankungen bewährt hätten. Bei der Epilepsie hat man zum Beispiel erkannt, dass 30 Prozent der Patienten auf Medikamente nicht ansprechen. Durch operative Entfernung geschädigter Teile des Gehirns wolle man nun ermitteln, warum dieser Teil der Epilepsiepatienten nicht auf Medikamente reagiere. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse könnten auch für die Behandlung von Schlaganfällen und Multipler Sklerose von Bedeutung sein.

Geduld ist gefragt

Natürlich wird für neue Therapien wie auch für die Entwicklung von Medikamenten ein langer Zeitraum benötigt. Während es bei Schlaganfallpatienten darauf ankomme, dass sie innerhalb möglichst weniger Stunden behandelt werden, gehe es bei klinischer Grundlagenforschung um Jahre, erklärten die Forscher.

Zwölf Jahre Vorbereitungszeit hat die Charité benötigt, um in der Neurologie so weit zu kommen, dass sie den Cluster Neurocure im Exzellenzwettbewerb bewilligt bekam. Die Charité hat für den Forschungscluster 40 Millionen Euro für den Zeitraum bis zum Jahr 2012 eingeworben. Bei den Clustern stand die Charité im Wettbewerb mit 143 Konkurrenten. Zu den Partnern von Neurocure zählen das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie und das Deutsche Rheumaforschungszentrum. Unterstützung haben auch die Firmen Bayer-Schering und Siemens in Aussicht gestellt.

Geplant ist der Neubau eines Forschungshauses für Neurocure im Umfang von 4500 Quadratmetern. Von diesem Forschungsbau versprechen sich die Wissenschaftler die Chance, durch die räumliche Konzentration aller beteiligten Disziplinen schneller zu Erfolgen zu kommen. Als Anlaufstelle für Patienten ist eine große Ambulanz vorgesehen. 

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