Hochschule : In Berlin sind Studienplätze für Berliner knapp

Der doppelte Abiturjahrgang drängt im Herbst an die Unis. Doch die Berliner müssen mit vielen auswärtigen Studienbewerbern um Plätze konkurrieren

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Die Masse der Studienbewerber will in der Region studieren, in der sie Abitur gemacht hat, das ist aus der Sozialerhebung des  Studentenwerks seit langem bekannt. Haben die Länder ein dichtes Netz von Unis wie etwa Bayern oder NRW, entscheiden sich 80 Prozent der Studienanfänger gegen einen Umzug in ein anderes Land. Finanzielle Erwägungen und soziale Bindungen geben den Ausschlag.

Die Berliner Abiturienten ticken nicht anders – doch seit Jahren wird es für sie immer schwieriger, einen Studienplatz zu Hause zu finden. Ihr Anteil an allen Studierenden in Berlin sank seit dem Jahr 2000 von 78 auf 50 Prozent, unter den Studienanfängern von 47 auf 35 Prozent. Seit 2008 hat der Senat zwar 7500 Studienplätze aufgebaut, insgesamt gibt es 31 500 Plätze für Anfänger. Doch der Numerus clausus ist dennoch fast flächendeckend und wird immer schärfer. Ursache ist der Ansturm von Studierenden aus der ganzen Republik und aus dem Ausland auf das als hip geltende Berlin. Welche Chancen haben da die Berliner aus dem doppelten Abiturjahrgang?

FU-Präsident Peter-André Alt verwies am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss auf Schätzungen des Senats, wonach keineswegs mit einer Verdoppelung der Berliner Bewerber gerechnet werden müsse. Erwartet werde ein Zuwachs um 35 Prozent. Tatsächlich stieg der Anteil von Studienanfängern aus den doppelten Abiturjahrgängen 2011 in Bayern und Niedersachsen um 32 respektive um nur 19 Prozent an. Studierendenvertreter erklärten im Abgeordnetenhaus jedoch, die Abiturienten hätten das Gefühl, mit einer Note unter 1,0 sei eine Bewerbung ohnehin zwecklos.

Die spezielle Lage der Berliner Landeskinder ist für die Studierendenvertreter jedoch kein Thema. Sie lehnen alle Versuche ab, für diese Gruppe spezielle Maßnahmen zu ergreifen: „Ich würde mich diskriminiert fühlen, wenn ich nicht in Berlin studieren dürfte“, sagte ein Studierendenvertreter, der selbst sein Abitur nicht in Berlin gemacht hat, und berief sich auf die Verfassung. Sie verbietet dieBevorzugung von Landeskindern.

Dennoch wollte der Berliner Senat an Stellschrauben drehen, um die Chancen der Berliner zu erhöhen. An Berliner Gymnasien sollte es Propädeutika geben. Wer sie belegt hat, sollte im Bewerbungsverfahren Pluspunkte bekommen. Doch für den doppelten Jahrgang kommen diese Kurse zu spät. Und den Abiturienten der folgenden Jahrgänge werden sie nur „im Mikrobereich“ weiterhelfen, wie Experten meinen.

Helfen sollte auch eine weitere Idee. Der Senat hat verfügt, dass jedem Bewerber pro Uni drei Bewerbungen erlaubt sind statt nur einer. Doch auf Antrag dürfen die Hochschulen verfahren wie gehabt, wovon wohl die meisten Gebrauch machen werden. Ein weiterer Weg, Abiturienten mit schwächerem Schnitt (auch aus Berlin) zu berücksichtigen, wäre, bei der Vergabe von Studienplätzen zu 50 Prozent die Wartezeit als Kriterium zu berücksichtigen. So verfährt die TU Berlin. FU und HU wollen das nicht. Ihre Professoren mögen den Gedanken, die besten Abiturienten aus ganz Deutschland zu unterrichten.

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