Hochschule : Wieder Wechsel im HU-Präsidium?

Gibt es im Präsidium der Humboldt-Universität erneut personelle Veränderungen? Das hält Günter Stock, der Vorsitzende des HU-Kuratoriums, durchaus für möglich.

Anja Kühne

BerlinDer Vizepräsident für Studium und Internationales, Stefan Matuschek, ist vor Wochen erkrankt. „Wir können noch nicht sagen, ob und wann er wieder seinen Dienst versehen kann“, sagte Stock am Dienstag im Akademischen Senat (AS) der Hochschule. Die Universität befinde sich „in einer äußerst komplizierten Situation“, sagte Stock.

Der 44-jährige Germanist Matuschek aus Jena war erst am 1. April als Vizepräsident angetreten. Sechs Wochen später hatte HU-Präsident Christoph Markschies in einer Pressemitteilung erklärt, Matuschek sei ernsthaft erkrankt. Bis zum 15. Juni werde Uwe Jens Nagel, Professor an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät, die Aufgaben des Vizepräsidenten übernehmen.

Wenn Stock die Lage nun als „äußerst kompliziert“ beschreibt, dürfte dies auch damit zusammenhängen, dass die HU sich gerade in der Endrunde des Elitewettbewerbs befindet. Am kommenden Montag und Dienstag werden Juroren die Uni besuchen. Die Hochschule muss sich dabei bemühen, stabil und arbeitsfähig zu wirken. Doch hatte es erst im September vergangenen Jahres einen Wechsel im Präsidium gegeben. Susanne Baer, Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien, trat als Vizepräsidenten für Studium und Internationales zurück und erklärte, es gebe „nicht aufzulösende Differenzen in der Leitung der Universität“. Mehrere Professoren und Studierende hatten damals den HU-Präsidenten Christoph Markschies für diesen Schritt verantwortlich gemacht. Daher sei es der Uni auch nicht gelungen, eine Nachfolge aus ihren eigenen Reihen für das als besonders anspruchsvoll geltende Amt zu finden, hieß es später. So habe sich die HU auf externe Kandidaten kapriziert. Markschies’ Wunschkandidat Matuschek, der bereits an der Uni Jena Prorektor für Lehre war, hatte sich bei der Wahl mit breiter Mehrheit gegen seine beiden Gegenkandidatinnen durchgesetzt.

Der Kuratoriumsvorsitzende Stock bedauerte es, dass der AS der HU sich zum Eliteantrag der Uni „merkwürdig still“ verhalten habe, anstatt wie der AS der FU die Pläne des Präsidiums zu unterstützen. „Ein bisschen Lob würde guttun“, sagte Stock. Interne Debatten seien verständlich, doch im Anschluss müsse die Universität geschlossen auftreten. Die HU müsse mit ihrer bundesweiten „Leitfunktion“ „sorgsam umgehen“. Dazu gehörten auch Veränderungen in den Governance-Strukturen. So sollten die Vizepräsidenten in Zukunft gemeinsam mit dem Präsidenten zur Wahl antreten. Das Präsidium sei kein „permanenter Debattierclub“, die HU müsse klare Botschaften senden. Der Germanist Werner Röcke sagte, er wünsche sich einen intensiveren Austausch des AS mit dem Kuratorium über die Ausrichtung der Uni.

Der AS setzte auch eine Arbeitsgruppe ein, die Vorschläge zur Verbesserung der Studiensituation erarbeiten soll. Studierendenvertreter hatten in einer Umfrage erhebliche Mängel festgestellt (siehe Tsp vom 15. Mai). So sei die Arbeitsbelastung unrealistisch, die Regelstudienzeit auch wegen organisatorischer Probleme nicht einzuhalten. Ferner plage die Bachelor-Studierenden die Sorge, nicht in den Master wechseln zu dürfen.  Von Anja Kühne

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