Hochschulen : Der Lehre mehr Ehre

An der Humboldt-Universität wird über den Elitewettbewerb diskutiert. Kritisiert wird die unterbelichtete Rolle der Lehre. Viele Wissenschaftler würden in die Forschung entschwinden.

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Mit Spannung blickt die Humboldt-Universität dem Besuch der Gutachter im Exzellenzwettbewerb entgegen. Am 13. und 14. Dezember ist es so weit. Dann muss die HU sich möglichst gut mit ihrem Zukunftskonzept präsentieren, um im Sommer „Eliteuni“ werden zu können. Das ist jedoch nur der Anfang von vielen Anhörungen und Begehungen, die sich bis in den März hinziehen werden, weil die HU mit 15 Anträgen für Forschungscluster und Graduiertenkollegs ins Rennen geht.

Wenige Tage vor der wichtigen Begehung zog die HU gemeinsam mit Experten eine Zwischenbilanz des Wettbewerbs. Kritisiert wurde die unterbelichtete Rolle der Lehre. Jörg Baberowski, Leiter des Forums Geisteswissenschaften an der HU, sagte, durch die Orientierung an der Forschung würden die Studenten viele gute Wissenschaftler, deretwegen sie an die HU gekommen seien, „nicht sehen“, sie seien in die Forschung entschwunden. Gerhart von Graevenitz, einst Rektor der Exzellenzuniversität Konstanz, bezeichnete es als einen „Geburtsfehler, dass die Exzellenzinitiative die Lehre draußen gelassen hat“. Diesmal will der Wissenschaftsrat die Lehre bei der Beurteilung des Zukunftskonzepts zwar berücksichtigen. Doch in einem Info-Blatt des Gremiums taucht die Lehre erst am Ende einer langen Aufzählung von Kriterien auf. Ulrike Beisiegel, die Präsidentin der Universität Göttingen, ist trotzdem überzeugt, dass die Gutachter die Lehre „sehr ernst“ nehmen werden.

Einig war man sich, dass der Elitewettbewerb keine Dauerlösung sei. Bisher werde sie, wie HU-Präsident Olbertz es ausdrückte, „zwischen unterfinanzierten Universitäten ausgetragen“. Die Politik dürfe eine unzureichende Grundfinanzierung nicht durch Wettbewerb ersetzen.

Als großer Skeptiker outete sich Baberowski: Wenn der Wettbewerb 2017 beendet werde, müssten die Wissenschaftler, die sich nicht in den Clustern engagiert hätten, die Zeche zahlen. Das werde eindeutig zulasten der Geisteswissenschaften gehen. Gute Leistungen in den Geisteswissenschaften würden jedoch von einzelnen Forschern und am Schreibtisch erbracht und nicht in Clustern.

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