Hochschulen : FU liegt in Berlin vorn

Die Freie Universität (FU) ist die beste Uni der Stadt – gemessen an den Leistungskriterien des Berliner Senats. Der Senat lobt bei allen Hochschulen "enorme Leistungen" in Lehre und Forschung

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Die FU gewinnt in diesem Jahr bei der Mittelvergabe nach den Leistungskriterien des Berliner Senats 1,4 Millionen Euro. Sie zieht damit nach drei Jahren wieder an der Humboldt-Universität (HU) vorbei, die aber ebenfalls immer noch Profit macht. Die Technische Universität (TU) muss dagegen kräftig Geld abgeben. Im Vergleich der drei großen Berliner Unis steht sie so schwach da wie noch nie seit der Einführung der leistungsbezogenen Mittelvergabe im Jahr 2002. Unter den Fachhochschulen ist erneut die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Karlshorst die stärkste der Stadt. Die Zahlen gehen aus den aktuellen, im Internet veröffentlichten Leistungsberichten der Berliner Hochschulen für den Senat hervor.

Die Grundlage des in diesem Jahr verteilten Geldes sind die Leistungsdaten in Lehre, Forschung und Gleichstellung von 2008. Insgesamt vergibt das Land dreißig Prozent seiner Zuschüsse im Rahmen dieses Vergleichs. Die FU kann ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahr um mehr als eine Million Euro steigern, der Zuschlag macht 0,8 Prozent ihrer gesamten Zuschüsse in diesem Jahr aus. Das Plus der HU halbiert sich dagegen auf 252 000 Euro. Der TU werden die Gewinne der beiden anderen Unis abgezogen, sie verliert 1,6 Millionen Euro und damit ein Prozent ihres Budgets.

Neben der HTW (plus 478 000 Euro) gewinnt bei den Fachhochschulen die Alice-Salomon-Hochschule hinzu (plus 197 000 Euro). Die Beuth-Hochschule verliert mit 532 000 Euro am meisten. Bei den Kunsthochschulen gewinnen die Schauspielschule Ernst Busch und die Universität der Künste auf Kosten der Hanns-Eisler-Musikhochschule und der Kunsthochschule Weißensee.

Die Berliner Hochschulen zeigten insgesamt eine „enorme Leistungsfähigkeit“, lobt der Senat in seiner Analyse der Berichte. In den vergangenen Jahren habe es „bemerkenswerte Leistungssteigerungen“ gegeben – obwohl die Hochschulen die Auswirkungen der letzten Sparrunde von 75 Millionen Euro verkraften mussten. Dass die FU erneut die Spitze übernimmt, erklärt der Senat mit den Erfolgen der Uni in der Exzellenzinitiative, die sich nun in der Senatsrangliste niederschlagen. Die FU hatte Ende 2007 als einzige Berliner Uni den Elitestatus errungen. Der FU sei es zudem gelungen, den Generationswechsel bei den Professoren mit einem Ausbau von Bereichen zu verbinden, die sehr gut Forschungsgelder einwerben. Ein Großteil des FU-Gewinns speist sich denn auch aus dem Bereich Forschung. Auch bei der Gleichstellung liegt die FU vorn. In der Lehre gewinnt die HU am meisten dazu. Die TU muss in allen Bereichen an die beiden anderen Unis Geld abgeben. TU-Erfolge der jüngsten Zeit wie beim European Institute of Innovation and Technology (EIT) sind bei der Berechnung der Mittelvergabe noch nicht einbezogen.

Dass sich die Hochschulen in den vergangenen Jahren tatsächlich positiv entwickelten, zeigen die Leistungsdaten für das Jahr 2009, die der Senat zeitgleich veröffentlichte und die die Grundlage für die Mittelvergabe im Jahr 2011 darstellen. Inzwischen bringen die drei großen Unis immerhin 71 Prozent ihrer Studierenden erfolgreich zum Abschluss, die HU sogar 84 Prozent. Der Senat führt das auch darauf zurück, dass derzeit viele Studierende der alten Studiengänge schnell ihren Abschluss machen. Gleichwohl schaffte 2003 an den drei Unis nicht einmal die Hälfte eines Jahrgangs das Examen. An den Fachhochschulen absolvieren neun von zehn Studierenden ihr Studium erfolgreich. Der Anteil der Studenten, die in der Regelstudienzeit abschließen, steigt auf über die Hälfte (siehe Grafik). Auch hier sind HU (57 Prozent) und FU (56 Prozent) besser als die TU (41 Prozent).

Seit 2006 steigerten die Unis ihre Drittmittel enorm: Von 170 auf 281 Millionen Euro. Die TU-Forscher werben mit 365 000 Euro pro Professor am meisten ein (FU: 293 000 Euro, HU: 261 000 Euro). Die TU profitiert davon, dass Firmen großzügiger Geld in Ingenieure investieren als in Geistes- und Sozialwissenschaften, bei denen FU und HU stark sind. Bei den wichtigen Drittmitteln für die Grundlagenforschung, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft vergibt, liegen dagegen zumal die FU, aber auch die HU deutlich vor der TU. FU und HU ziehen auch mehr internationale Forscher an und sind bei Promotionen besser.

Bundesweit am besten fördern die Berliner Unis Frauen. Der Anteil von Professorinnen beträgt 28 Prozent (Bund: 18 Prozent). An der FU arbeiten die meisten Professorinnen (die Quote beträgt 35 Prozent, HU: 25 Prozent, TU: 20 Prozent). Allerdings nimmt auch in Berlin der Frauenanteil mit jeder Qualifikationsstufe dramatisch ab. An der HU etwa machen Frauen 62 Prozent der Absolventen aus. Unter den Promovierten sind nur noch 43 Prozent Frauen, unter den Professoren halbiert sich der Anteil nochmals.

Ab 2012 wird das bisherige Modell der Mittelvergabe durch das neue „Preismodell“ abgelöst. Seit 2002 profitierte die FU am meisten von der bisherigen Mittelvergabe. Sie gewann in dem Zeitraum 4,7 Millionen Euro hinzu. Die HU kam auf ein Plus von 311 000 Euro. Die Verliererin ist auch über diesen langen Zeitraum die TU: Sie machte ein Minus von mehr als fünf Millionen Euro.

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