Hochschulen : GEW fordert 10 000 neue Stellen an den Unis

10 000 zusätzliche Stellen für promovierte Nachwuchswissenschaftler, davon 60 Prozent für Frauen – und alle sollen eine Aussicht auf eine unbefristete Stelle haben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert ein Mammutprogramm von Bund und Ländern. Sie will einem Heer von Promovierten eine sichere Zukunftsperspektive geben – und die Lehre an den Unis verbessern. „Wir brauchen ausreichend qualifizierte Fachkräfte, um den Generationswechsel unter Hochschullehrern, den Ausbau der Hochschulen und die Verbesserung der Qualität der Lehre zu schultern“, sagt GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller.

Die 10 000 Postdoc-Stellen müssten mit einer „Tenure-Track-Option“ ausgestattet werden: Wer sich auf seiner für sechs Jahre garantierten Stelle bewährt, müsse auf eine Professur oder eine unbefristete Mitarbeiterstelle übernommen werden. Heute werde der wissenschaftliche Nachwuchs viel zu lange im Unklaren gelassen, ob er eine dauerhafte Perspektive in der Wissenschaft hat, sagte Keller.

Über Habilitation oder Juniorprofessur qualifizieren sich derzeit jährlich 2100 Wissenschaftler für eine Professur, aber nur 40 Prozent werden berufen. Mit Anfang 40 stünden sie nach 20 Jahren Ausbildung oft vor dem Nichts, weil sie „für alle anderen Tätigkeiten überqualifiziert“ seien, sagte Rajah Scheepers von der Postdoc-Initiative „Berliner Erklärung“.

Auch das Bundesforschungsministerium sieht Nachholbedarf: In Europa fehlten 700 000 Wissenschaftler, zehn Prozent davon in Deutschland, sagte Staatssekretär Michael Thielen am Dienstag anlässlich der Freischaltung des Beratungsportals „www.kisswin.de“ (Kommunikations- und Informationssystem Wissenschaftlicher Nachwuchs) in Berlin. Das Portal gehöre zu den Programmen, mit denen die Nachwuchslücke geschlossen werden solle. -ry/ddp

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