Hochschulen : Hamburgs Präsidentin muss gehen

Der Rückzug von Hamburgs umstrittener Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz steht bevor. Wissenschaftssenatorin Gundelach will den Vertrag auflösen.

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Monika Auweter-Kurtz -Foto: dpa

Am Freitag teilte Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) mit: „Wir haben der Präsidentin angeboten, ihren Vertrag in wechselseitigem Einvernehmen aufzulösen. Wir erwarten im Laufe der nächsten Woche ihre Antwort.“ Es wird damit gerechnet, dass die Jura-Professorin und Vizepräsidentin für Struktur- und Personalentwicklung, Gabriele Löpscher, amtiert, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden ist.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Wissenschaftssenatorin war ein Treffen der Dekane mit Mitgliedern des Hochschulrats am Donnerstag Nachmittag. Dabei stimmten vier von fünf Dekanen für die Trennung von Auweter-Kurtz. Schon am Mittwoch hatte Wissenschaftssenatorin Gundelach die Präsidentin öffentlich fallen lassen. In der Bürgerschaft distanzierte sie sich, indem sie erklärte: „Es geht nicht um Personen, sondern um das Wohl der Uni.“ Die Hochschule müsse signalisieren, ob sie eine weitere Zusammenarbeit mit Auweter-Kurtz wünsche.

Der Vertrag der im November 2006 aus Stuttgart berufenen Auweter-Kurtz (58) läuft noch bis 2012. Wie er beendet wird, muss jetzt verhandelt werden. Dabei geht es um Geld und um eine Form, die die inzwischen von allen Seiten im Stich gelassene Auweter-Kurtz nicht noch weiter bloßstellt wie etwa die Abwahl durch den Hochschulrat. Der Hochschulrat, der noch vor zwei Wochen keinen Anlass für den Protest von 120 Professoren erkennen wollte, hält an der Raketenforscherin inzwischen nicht mehr fest. Nach einer Pause zum Nachdenken am Wochenende werde man am Montag klarer sehen, sagte Albrecht Wagner, der Vorsitzende des Gremiums, dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Diskussionskultur ist an der Universität wieder auferstanden.“

Auweter-Kurtz wurden seit langem Übereifer beim Reformieren und ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Auch der Plan zum Neubau der Universität in der Hamburger Hafencity, den die Regierungskoalition von CDU und Grünen unterstützte, rief den Widerstand der Uni-Angehörigen hervor.

Auweter-Kurtz bot breite Angriffsflächen. Als Befürworterin von Studiengebühren hatte sie sofort die Studierenden gegen sich, die ihr auch eine zu große Nähe zur Rüstungsforschung vorwarfen („Raketen-Moni“). Öffentliches Aufsehen verursachte es, als eine Lehrbeauftragte der Uni sich im Fernsehen kritisch zu ihren Arbeitsbedingungen äußerte. Unmittelbar danach verlor die Frau ihre Stelle – eine Strafmaßnahme der Präsidentin, wie man an der Uni überzeugt war.Wenige Wochen später erklärte Auweter-Kurtz in einem Schreiben, sie allein sei für die Außenvertretung der Uni zuständig, Professoren sollten öffentliche Äußerungen mit der Pressestelle abstimmen („Maulkorberlass“). Nachdem sie den von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät gewählten Dekan nicht anerkannte, sammelten Professoren schließlich Unterschriften zu ihrer Abwahl: 120 von 560 unterschrieben, im Anschluss forderten auch Wissenschaftliche Mitarbeiter die Präsidentin zum Rücktritt auf.

Auweter-Kurtz hatte sich noch Dienstag in einem offenen Brief an die Uni-Angehörigen gewandt und erklärt, es seien Fehler bei der Kommunikation gemacht worden – vergebens. Fünf der insgesamt sechs Dekane kritisierten daraufhin erneut öffentlich den Führungsstil der Präsidentin. Debatten mit ihr würden nicht selten im Tenor von „Ich will es aber so“ oder „Das ist mir egal“ enden.

Allerdings trat Auweter-Kurtz auch ein schweres Erbe an. Die Universität hatte sich seit 15 Jahren an ihren Präsidenten Jürgen Lüthje und seinen auf Ausgleich bedachten Kommunikationsstil gewöhnt, berichten Insider. Da Auweter-Kurtz von außen kam, habe sie an der Universität über keine Hausmacht verfügt, die ihre vielen Reformen hätte unterstützen können. Gerade unter diesen Umständen hätte sie erheblich mehr Überzeugungsarbeit leisten müssen. akü

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