Hochschulen in Großbritannien : Britische Unis müssen noch mehr sparen

Die Hochschulen in Großbritannien stehen erneut vor Kürzungen. Betroffen ist vor allem die Lehre, gestrichen werden Mittel, mit denen die Unis den Anstieg der Studierendenzahlen bewältigen sollten.

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Studierende halten Schilder mit Aufschriften wie"Free Education, tax the rich" ("Freie Bildung, besteuert die Reichen") hochgehalten.
„Freie Bildung, besteuert die Reichen.“ Studierende protestieren Ende 2014 gegen Studiengebühren in London. Die Gebühren sind in...Foto: AFP

Mehrere Milliarden Pfund wurden den britischen Hochschulen in den vergangenen Jahren bereits an Staatszuschüssen gestrichen. Jetzt müssen sich die Unis erneut auf Kürzungen einstellen. Noch in diesem Jahr sollen sie 150 Millionen Pfund (umgerechnet 210 Millionen Euro) einsparen. Das treffe vor allem die Lehre, berichtet das Magazin „University World News“.

Die neuen Kürzungen stehen in Zusammenhang mit dem Vorhaben der inzwischen allein regierenden Konservativen, über die kommenden Jahre die Staatsausgaben rigoros zusammenzustreichen. Bis zum Jahr 2020 sollen insgesamt 37 Milliarden Pfund (53 Milliarden Euro) wegfallen. Um 12 Milliarden Pfund sollen in dem Zeitraum allein Sozialleistungen gekürzt werden. An den Hochschulen wird davon ausgegangen, dass ihre Budgets ab 2016 noch weiter reduziert werden.

Mint-Fächer werden weiterhin staatlich bevorzugt

Ob die Unis jetzt Tutoren oder ganze Studiengänge streichen, steht noch nicht fest. 37 Millionen Pfund jedenfalls fallen aus einem Topf weg, der den Hochschulen helfen sollte, den erwarteten Anstieg der Studierendenzahl zum kommenden Studienjahr zu meistern. Die Unis müssten das jetzt aus ihren bestehenden Bordmitteln stemmen. Gut möglich ist, dass erneut besonders die Geistes- und Sozialwissenschaften leiden. Denn die Regierung hält weiter an der Vorgabe fest, die MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften zu stärken.

Laut Studien der Europäischen Universitätsvereinigung EUA ist Großbritannien nach Griechenland das Land, das dem Hochschulbereich in den vergangenen Jahren anteilmäßig am meisten Geld entzogen hat. Finanzierte in Großbritannien im Jahr 2011 der Staat noch zwei Drittel der Ausgaben für die Lehre, war es 2014 nur noch ein Fünftel. Insgesamt wurde der jährliche Zuschuss für die britischen Unis von 2011 bis 2015 um rund 40 Prozent gekürzt.

Die Unis hoffen, die Kürzungen durch höhere Gebühren wettzumachen

Kompensiert wurden die Verluste durch einen kräftigen Anstieg der Studiengebühren. Bis zu 9000 Pfund im Jahr (rund 13 000 Euro) kostet das Studium jetzt. Auch derzeit hoffen die Hochschulen, die Kürzungen des Staates durch steigende Gebühreneinnahmen wettmachen zu können, heißt es.

Die Hoffnung der konservativen Regierung, mit dem Steigen der Studiengebühren auch einen Schuss Marktwirtschaft im Bildungswesen einzuführen, erfüllte sich bisher allerdings nicht. Das stellte im vergangenen Jahr eine parteiübergreifend Expertenkommission fest. Das Studienangebot und die Qualität der Hochschulen seien nicht gestiegen. Ganz im Gegenteil gebe es kaum neue Studienangebote und auch nur „minimale“ Innovationen in der Lehre. Selbst die Höhe der Gebühren variiere kaum, da fast alle Unis den Maximalbetrag nehmen.

Teilzeitstudierende werden durch hohe Studienkosten abgeschreckt

„Den Marktgedanken in den Bildungsbereich einzuführen, obwohl dieser eben nicht wie ein Markt funktioniert, setzt die finanzielle Nachhaltigkeit dieses Sektors aufs Spiel“, hieß es damals in der Expertise – eine Kritik an den tiefen Staatseinschnitten im Hochschulbereich.

Zudem werden gerade Teilzeitstudierende durch die hohen Kosten für ein Studium abgeschreckt, wie aus einer neuen Studie hervorgeht, über die der „Guardian“ berichtet. Weil diese Gruppe oft aus wenig privilegierten Schichten komme, gefährde das die soziale Mobilität in Großbritannien.

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