Hochschulen in Ostdeutschland : Professoren fordern: Geld nicht nur für Studierende

Wenn vor allem viele Studierende den Hochschulen staatliche Zuschüsse bringen, sehen die Unis in Ostdeutschland bald arm aus, fürchten Wirtschaftswissenschaftler. Sie fordern neue Kriterien, die etwa auch Innovationen honorieren.

Studierende gehen über den Campus der Universität Jena.
Jena gilt als Innovationszentrum in Thüringen - vor allem durch seine Universität, sagen die Forscher.Foto: Uni Jena/Kasper

Wissenschaftler in Ostdeutschland fordern von der Politik, die staatlichen Zuschüsse für die Hochschulen nicht vorrangig von der Zahl ihrer Studierenden abhängig zu machen. „Eine von der Studienplatzauslastung abhängige Komponente sollte mit wettbewerblichen Anteilen kombiniert werden“, sagt Michael Fritsch, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Jena. Für die Hochschulfinanzierung sollten etwa auch Erfolge in der Spitzenforschung und ökonomische, soziale oder kulturelle Innovationen für die Region zählen. Ansonsten drohten angesichts des demografischen Wandels gerade in Ostdeutschland weitere Mittelkürzungen.

Gemeinsam mit Peer Pasternack, Direktor des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg, und Mirko Titze (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle) hat Fritsch jetzt Ergebnisse einer Studie zum Thema „Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen (Springer VS, 2015) vorgelegt. Wo große Unternehmenszentralen fehlten, hätten sich Universitäten und Fachhochschulen zu wichtigen Akteuren für die regionale Innovationstätigkeit entwickelt, etwa indem sie Forschungskooperationen mit außeruniversitären Instituten eingingen oder Professoren und Absolventen eigene Unternehmen gründeten, sagt Fritsch.

Würden die staatlichen Zuschüsse wegen zurückgehender Studierendenzahlen weiter gekürzt, hätte das fatale Folgen nicht nur für die ohnehin unterfinanzierten Hochschulen, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Länder. So würde Jena immer wieder als das Innovationszentrum in Thüringen und einer der „Leuchttürme“ in Ostdeutschland bezeichnet, die Rolle der Universität Jena dabei aber nicht ausreichend honoriert. (-ry)

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