Hochschulen : Katholische Universität in der Krise

An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) eskalieren in diesen Tagen Konflikte zwischen Hochschule und Kirche.

Zuletzt hatte der Stiftungsrat unter Leitung des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke Kanzler Gottfried Freiherr von der Heydte beurlaubt. Gleichzeitig beauftragte Hanke, der auch Großkanzler der Universität ist, Wirtschaftsprüfer damit, die Geschäftsführung der KU „auf ihre Ordnungsgemäßheit zu analysieren“.

Mit von der Heydte verliert die einzige katholische Universität Deutschlands einen weiteren führenden Kopf. Begonnen hatten die Querelen Anfang des Jahres mit der Wahl des Theologen und Managers Ulrich Hemel zum neuen Präsidenten. Im Mai hatte sich Bischof Hanke geweigert, Hemel zu ernennen. Zuvor hatte der Vatikan ihm die Unbedenklichkeitserklärung verweigert. Hemel gilt als Kritiker von Papst Benedikt XVI. und ist zum dritten Mal verheiratet. Joseph Ratzinger, der heutige Papst, war 1980 als Erzbischof von München maßgeblich an der Gründung der Universität beteiligt. Heute soll es ihm darum gehen, das katholische Profil der „Päpstlichen Universität“ zu schärfen. Eine Ankündigung Hankes, den kirchlichen Einfluss auf die Hochschule auszuweiten, haben Studenten und Lehrende scharf kritisiert. Auch der bisherige kommissarische Vorsitzende der Hochschulleitung, Stefan Schieren, hatte vor kurzem angekündigt, sein Amt Ende Juni niederzulegen. Zuvor war der Senatsvorsitzende Maximilian Fuchs zurückgetreten.

Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier, einer der Wegbereiter der Unigründung, rechtfertigt die Einflussnahme der Kirche. „Eine katholische Universität kann nicht ohne oder gegen den zuständigen Bischof geführt werden“, sagte Maier der „Süddeutschen Zeitung“. Die KU sei aber in einer ernsten Krise. Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten Anfang 2009 leiten zwei externe Professoren die Uni ab 1. Juli kommissarisch. Die KU hat 4600 Studierende, ist Stiftungsuniversität und wird zu 85 Prozent vom Freistaat Bayern sowie zu 15 Prozent von den bayerischen Diözesen finanziert wird. Hans Maier rief die Kirche dazu auf, wesentlich mehr beizusteuern, um die Uni internationaler zu machen – und in der Forschung konkurrenzfähig. -ry

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