Hochschulen : Last minute an die Uni

Freie Studienplätze werden jetzt online angeboten – doch Nachrückern droht trotzdem das Chaos.

Frank van Bebber
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Auf der Suche. Die neue Studienplatzbörse funktioniert wie ein Schwarzes Brett. Dennoch werden Plätze frei bleiben. -Foto: dpa

Deutschlands Hochschulen haben ein Problem, Baden-Württemberg scheinbar die Lösung: Eine im Südwesten bereits eingesetzte Internetbörse für freie Studienplätze wird ab dem morgigen Dienstag zum Modell für die Republik. 180 Hochschulen haben sich nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für die Studienplatzbörse angemeldet. In Baden-Württemberg beteiligen sich alle Universitäten bis auf Mannheim, wo das Semester bereits begann.

Die Internetbörse soll das Bewerberchaos stoppen, das zuletzt Abiturienten verzweifeln ließ und tausende freie Studienplätze provozierte. Allein in Baden-Württemberg war zeitweise mehr als jeder zehnte Hörsaalplatz in einem NC-Fach verwaist, während die Politik zugleich Millionen Euro in neue Plätze investiert.

Die Studienplatzbörse wird nun wenige Wochen vor Semesterstart auf freie Plätze aufmerksam machen, von denen bislang niemand erfuhr. Ein voller Erfolg sei das Last-Minute-Verfahren seit zwei Semestern in seinem Land, sagt Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Seine Erleichterung kommt nicht von ungefähr. Frankenberg gehört zu jenen Politikern, die nach und nach die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) aus dem Geschäft drängten. Das Ende der bürokratischen Studentenverschickung brachte aber auch das Chaos. Da kein Bewerber sicher sein kann, ob und wo er angenommen wird, bewirbt sich jeder zigfach. Die Hochschulen ersticken in Bewerbungen. Trotzdem bleiben am Ende viele Plätze frei, weil sich ein zugelassener Bewerber anders entscheidet.

Das soll sich ändern, wenn am 1. September gegen neun Uhr die Studienplatzbörse startet. Ein feierlicher Knopfdruck sei nicht geplant, heißt es bei der HRK. Kein Wunder: Die Studienplatzbörse ist kaum mehr als eine Verlegenheitslösung. Über ein umfassend neues Serviceverfahren hatten sich HRK, ZVS und Politik so lange gestritten, dass es frühestens 2011 kommt. Dann sollen Hochschulen per Computerprogramm erfahren, ob ein Bewerber woanders zugelassen wurde und den Platz angenommen hat. Bewerber sollen sehen, wo sie auf den Wartelisten stehen.

Dagegen ist die Studienplatzbörse nicht mehr als ein Schwarzes Brett, an das Hochschulen freie Plätze pinnen. Die Erfahrungen in Baden-Württemberg zeigen, der Effekt ist begrenzt: Im Südwesten wurden über die Börse im letzten Winter rund 200 Studienplätze vergeben. Eine eher bescheidene Zahl bei insgesamt 42 500 Erstsemestern. Allein an der Uni Heidelberg waren 235 Plätze in NC-Fächern unbesetzt geblieben.

Und hinter der einheitlichen Oberfläche der Restplatzbörse bleibt es beim Chaos. Pünktlich zum Start will kaum eine Universität in Baden-Württemberg freie Plätze einstellen, noch laufen Nachrückverfahren. Ohnehin haben die Hochschulen aus Angst vor freien Plätzen oft doppelt- und dreifach so viele Bewerber zugelassen, wie sie Plätze haben. Erst langsam wird sich die Börse füllen. Wer aber glaubt, sich dann einen Platz schnappen zu können, wie eine Last-Minute-Reise am Flughafen, irrt. Es gilt, sich erneut zu bewerben. Am Ende steht meist ein Losverfahren.

Ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt, warum der Wirrwarr kaum kleiner wird. Stichtag für die Restplatz-Bewerbungen ist an der Universität Stuttgart der 15. September, in Konstanz der 30. September und in Freiburg der 15. Oktober. Bis zum Start der ersten Vorlesung bleiben den glücklichen Gewinnern der Losverfahren dann nur wenige Tage, um Studienbeginn und einen Platz im Studentenwohnheim oder eine Wohnung zu organisieren. Frank van Bebber

Die Börse im Internet:

www.freie-studienplaetze.de

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