Hochschulen : Neue Dekanin für die Charité

Die Kinderärztin und Schilddrüsen-Expertin Annette Grüters-Kieslich soll neue Dekanin der Charité werden. Die Leiterin des Charité-Centrums für Frauen-, Kinder- und Jugendmedizin wurde gestern Abend vom Fakultätsrat mit 12 von 19 Stimmen gewählt. Ihr Gegenkandidat Josef Pfeilschifter, Medizindekan der Uni Frankfurt/Main, bekam sieben Stimmen. Es gab keine Enthaltungen

Bevor Grüters-Kieslich ihr Amt antrete, müsse sie sich mit dem Aufsichtsrat noch über die Konditionen ihres Vertrages einigen, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele. Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner, der Aufsichtsratschef der Charité, müsse die Verhandlungen „zügig aufnehmen“. Der derzeitige Amtsinhaber Martin Paul wechselt zum 1. September nach Maastricht. Der Dekan ist für die Entwicklung von Forschung und Lehre zuständig und sitzt im dreiköpfigen Vorstand des gemeinsamen Uniklinikums der Humboldt- und der Freien Universität.

Eineinhalb Stunden lang diskutierten die Mitglieder des Fakultätsrats gestern Abend hinter verschlossenen Türen über die Kandidaten, nachdem sie sie zuvor gut zwei Stunden befragt hatten. Beide Kandidaten hätten angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Gremien und den Professoren zu stärken, hieß es. Wissenschaftssenator Zöllner, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, habe betont, unter dem neuen Dekan müssten Krankenversorgung, Forschung und Lehre eng kooperieren. Der Dekan müsse zudem auch „inhaltlich und persönlich“ in den Vorstand passen. Den dritten Kandidaten der Findungskommission des Fakultätsrats, den Prodekan Robert Nitsch, hatte der Aufsichtsrat vor zwei Wochen nicht akzeptiert. Nitsch und der designierte Charité-Chef Karl Max Einhäupl sind zerstritten.

Grüters-Kieslich, geboren 1954, ist dagegen die Wunschkandidatin Einhäupls, wie im Vorfeld zu hören war. Sie erforscht, wie man Schilddrüsenerkrankungen bei Neugeborenen und Kindern früher erkennen und besser therapieren kann. Nach ihrem Studium in Bochum und an der Freien Universität ging sie zunächst nach Los Angeles, kam dann aber an die Kinderklinik der FU zurück. 1991 wurde sie habilitiert, ein Jahr später wurde sie Oberärztin der Kinderklinik des Virchow-Klinikums. 1998 berief die HU sie als Professorin für Pädiatrische Endokrinologie.

Im letzten Jahr nahm die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sie als Mitglied auf. Grüters-Kieslich ist auch Mitglied im Kuratorium des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin-Buch. tiw

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