Hochschulen : Selbstkritik an der TU Berlin

Der Präsident der Technischen Universität Berlin (TU), Jörg Steinbach, sieht Defizite bei der Forschungsförderung im eigenen Haus. Bei den Unimitgliedern stößt der Rechenschaftsbericht des Präsidiums auf Kritik.

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Quellen für die Forschungsförderung will die TU offensiver erschließen.
Quellen für die Forschungsförderung will die TU offensiver erschließen.Foto: K.-U. Heinrich

Als Beispiel nannte Steinbach die mit mehreren Millionen Euro dotierten Stipendien des Europäischen Forschungsrates, wo die TU mit acht Auszeichnungen zwar „gut, aber nicht überragend“ dastehe. Die TU verlasse sich beim Einwerben solcher Auszeichnungen zu sehr auf die Initiative einzelner Forscher: „Wir müssen stattdessen aktiv auf Kollegen zugehen und sie ermutigen, sich zu bewerben.“ Insgesamt sei die interne Kommunikation verbesserungswürdig: „Diese Uni hat verlernt ,Danke’ zu sagen.“

Steinbach sprach am Mittwoch vor dem Erweiterten Akademischen Senat der TU. Dort stellte er den Rechenschaftsbericht des Präsidiums für die vergangenen drei Jahre vor. Viele Dinge seien auf den Weg gebracht, „warten aber noch auf Vollendung“, sagte Steinbach. Er hob auch Erfolge hervor. Insgesamt stehe die TU bei den Drittmitteln sehr gut da. Zwischen 2009 und 2011 konnten diese von 125 auf 158 Millionen Euro gesteigert werden: „Das ist fast beängstigend gut.“ Bei der Internationalisierung verfolge die Uni inzwischen eine „geschlossene Vorgehensweise“, früher seien die Kooperationen eher „zufällig“ gewachsen. Er wolle die Strategiefähigkeit der Uni weiter stärken, sagte Steinbach. Dazu sei es nötig, das seit langem diskutierte neue Zukunftskonzept zu verabschieden, „auch wenn das dem einen oder anderen weh tut“. Spätestens Anfang 2013 solle es nun im AS beschlossen werden.

Gremienmitglieder kritisierten den Rechenschaftsbericht. Anders als in Steinbachs Vortrag fehle in der 54-seitigen gedruckten Version jede Selbstkritik, hieß es. Die Entwicklung der TU sei daraus nicht nachzuvollziehen, sagte die Soziologie-Professorin Nina Baur. Die schwierige Haushaltssituation werde ausgespart. Der Physik-Professor Christian Thomsen vermisste Lehren „aus den Bereichen der Exzellenzinitiative, wo wir nicht gut abgeschnitten haben“. Er forderte zudem eine bessere „Willkommenskultur“ für neu berufene Hochschullehrer. Das Gremium nahm den Bericht zwar mit 26 Ja-Stimmen und einer Gegenstimme zustimmend zur Kenntnis. Allerdings enthielten sich auch 17 AS-Mitglieder der Stimme.

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