Hochschulen : Studium in der Nische

Private Hochschulen haben immer mehr Zulauf – doch Studierende sollten die Angebote genau prüfen. Nicht immer sind die Privaten besser.

 Tina Rohowski
Doktorhut
Den Abschluss im Blick. Private Einrichtungen bieten straffe Programme an. Ältere Hochschulen haben Alumni-Netzwerke, die beim...Foto: ddp

Immer mehr Studierende entscheiden sich für eine private Hochschule. Ihre Zahl hat seit 2001 laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln um mehr als 140 Prozent zugenommen. Doch sind die Privaten wirklich besser? Das hängt davon ab, was man von seinem Studium erwartet.

Die Studienfächer

Vor allem in den Wirtschaftswissenschaften sind private Hochschulen stark vertreten. Aber auch Fächer wie Jura, Medizin oder Ingenieurwissenschaften gehören zum Angebot. Darüber hinaus gibt es in Deutschland etliche private Kunsthochschulen, an denen sich Studentinnen und Studenten für Grafikdesign, Architektur, Schauspiel oder sogar für ein Lehramtsstudium im Fach Kunst einschreiben können. Wer dagegen eine Geisteswissenschaft studieren will, findet das weitaus größere Angebot an staatlichen Hochschulen. Fächer wie „Philosophie und Kulturreflexion“ an der Universität Witten/Herdecke oder das breite Angebot der privaten Jacobs-Universität in Bremen sind Ausnahmen. Einige Privathochschulen haben Studium-generale-Programme gestartet, um ein größeres Spektrum zu bieten.

Studienbewerbern sollte klar sein, dass sich die meisten der derzeit 83 staatlich anerkannten Privathochschulen in der Ausbildung auf ein Fachgebiet konzentrieren – und dass sich das auch auf das eigene Studium auswirkt, sagt Matthias Jaroch von der Studienberatung „Genius“ des Deutschen Hochschulverbandes: „Die alte Universitätsidee, einen breiten Fächerkanon anzubieten, findet man dort eher nicht.“ Bewerber, die ihre Zeit an der Hochschule auch für ein Studium generale – also den Besuch von Veranstaltungen aus verschiedenen Wissensbereichen – nutzen wollen, sollten deshalb eher eine große staatliche Hochschule vorziehen, sagt Jaroch. Dort könne man besser „über den Tellerrand schauen“ und vielleicht sogar feststellen, dass ein anderes Studienfach den eigenen Fähigkeiten mehr entgegen kommt.

Die Kosten

Zwar gibt es inzwischen in sechs Bundesländern Studiengebühren, doch die Ausbildung an einer Privathochschule ist nach wie vor deutlich teurer. Studierende an staatlichen Hochschulen zahlen derzeit 300 bis 900 Euro pro Semester. Ein komplettes Bachelorprogramm an einer Privatuni kostet dagegen mindestens 20 000 Euro, teils sogar mehr als 50 000 Euro. Wer Bedürftigkeit nachweist, kann aber Teilerlasse oder sogar einen Freiplatz erhalten.

Irene Vogt, Abiberaterin der Berliner Arbeitsagentur, rät dennoch dazu, sich nicht von den hohen Studiengebühren an Privathochschulen abschrecken zu lassen. „Bewerber in besonders umkämpften Fächern warten manchmal zehn Semester auf einen Studienplatz und gehen in dieser Zeit jobben oder machen Praktika“, argumentiert Vogt. Sinnvoller könne aber sein, sich an einer Privatuni zu bewerben. Dort entscheidet oft nicht der Abiturschnitt, sondern ein Auswahltest. Vogts Rechnung: Wer gleich nach dem Abitur an einer Privathochschule anfängt, steht früher im Berufsleben und verdient schneller Geld. Insgesamt könnten sich somit die hohen Ausgaben für ein privates Studium ausgleichen. „Für ein Auto sind viele bereit, einen Kredit aufzunehmen. Bildung wäre eine bessere Investition“, sagt Vogt.

Als Ausnahme nennt sie private Designhochschulen: Anforderungen an die Bewerber sind dort oft geringer. „Wer die harte Auswahl an einer staatlichen Hochschule nicht schafft, sollte sich fragen, ob wirklich Talent da ist“, rät Vogt.

In jedem Fall gilt: Bewerber, die Bafög brauchen, sollten prüfen, ob die favorisierte Privatuni staatlich anerkannt ist, empfiehlt Matthias Jaroch. Ist das nicht der Fall, könnte die finanzielle Hilfe vom Bafög-Amt verweigert werden.

Wo die Lehre besser ist

Kleine Seminare, motivierte Profs, rund um die Uhr geöffnete Bibliotheken – mit solchen Argumenten werben die privaten Hochschulen um Studierende. Tatsächlich erreichten viele Privatunis im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) im Urteil der Studierenen Spitzenplätze. Die private Bucerius Law School in Hamburg bekam etwa Bestnoten für Betreuung, Studienorganisation oder das Seminarangebot.

Doch in den Spitzengruppen aller Fächer finden sich ebenso staatliche Universitäten. „Dass eine Privathochschule grundsätzlich die bessere Lehre bietet, kann man nicht sagen“, fasst Petra Giebisch vom CHE zusammen. Vielmehr gebe es bei jedem Hochschultyp Klassenbeste und Sorgenkinder. Zum Beispiel landeten einige private Fachhochschulen bei der Bibliotheksausstattung in der Schlussgruppe. Im Gesamturteil schnitten die privaten Universitäten deutlich besser ab als die privaten Fachhochschulen. „Zu einem erfolgreichen Studium gehören viele Faktoren“, sagt Giebisch. Sie empfehle daher, nicht die private oder staatliche Trägerschaft zum entscheidenden Kriterium zu erheben. Bewerber sollten sich erst überlegen, welche Qualitäten ihnen wichtig seien – und dann gucken, welche Hochschule diese Wünsche erfüllt.

Wie das Studentenleben ist

Privathochschulen sind keine Massenunis. Kaum eine unter ihnen nimmt pro Jahr mehr als 150 Anfänger auf. Die Kontakte zu Dozenten sowie zwischen den Studenten untereinander seien viel enger, sagt Wolfram Hahn, Sprecher des Verbands der privaten Hochschulen: „Niemand geht so schnell verloren.“

Allerdings seien auch Pensum und Lerntempo an einer Privathochschule größer: „Schon allein, weil jedes zusätzliche Semester viel Geld kostet, wird bei uns sehr schnell studiert“, berichtet Hahn. „Das private Studium ist nichts für jemanden, der ein lockeres Studentenleben will.“ Die Regelstudienzeit werde weitaus seltener überschritten als an staatlichen Unis. Daher seien die Hochschulen des Verbandes vor allem für solche Bewerber geeignet, die „möglichst rasch zum Abschluss und ins Berufsleben streben“. Allerdings herrscht seit der Einführung des Bachelors auch an staatlichen Unis zunehmend mehr Druck.

Ein wichtiges Kriterium für Studienanfänger könnte aber auch das Umfeld der Hochschule sein. Etliche Privathochschulen haben zwar einen beschaulichen Campus nach amerikanischem Vorbild. Doch der liegt nicht selten in einer Kleinstadt – und nicht für jeden ist ein Studium in Vallendar, Oestrich-Winkel oder Bruchsal erstrebenswert.

Die Jobchancen

Private Hochschulen haben den Ruf, die Karriere gleich mit dem Studienabschluss mitzuliefern. Vor allem Business Schools veranstalten etliche Kontaktmessen und Bewerbungstrainings. Zudem gehören Unternehmen zu den Förderern privater Hochschulen. Sie finanzieren Gebäude oder stiften einen Lehrstuhl – wovon die Studenten profitieren, weil sich daraus ein renommiertes Praktikum oder sogar ein Job ergeben kann. Für Wolfram Hahn, Sprecher des Verbands der Privaten Hochschulen, sind zudem „maßgeschneiderte Studienmodelle, die gezielt auf einzelne Branchen vorbereiten“, ein Garant für späteren beruflichen Erfolg. „Private Hochschulen nehmen Bedürfnisse der Wirtschaft schneller auf und sind experimentierfreudiger“, sagt Hahn. Daher gebe es dort Spezialfächer wie Gesundheits- und Wellnessmanagement.

Vor allem mit ihren Alumni-Netzwerken werben private Hochschulen. Studentinnen und Studenten können in Absolventenkarteien nach Ansprechpartnern in der Wirtschaft suchen. Ehemalige werden zu Kongressen oder Seminaren eingeladen. Allerdings können auch hier nicht alle privaten Anbieter punkten. Viele sind noch so jung, dass es gar keine großen Alumni-Netzwerke geben kann.

Einer aktuellen Studie zufolge haben die meisten Vorstände von Dax-Unternehmen an den Unis in München sowie in Göttingen studiert. Aus einem Wettbewerb des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, der Deutschlands beste „Career Services“ suchte, gingen zwei staatliche Hochschulen und eine private Einrichtung als Sieger hervor: Neben der TU Berlin und der Universität Freiburg wurde auch die private WHU Vallendar ausgezeichnet. Gerade die Karriere-Center der traditionsreichen staatlichen Universitäten können also mit privaten Anbietern mindestens mithalten.

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