Hochschulen : Was aus der Elite folgt

Wo Sieger sind, gibt es für gewöhnlich auch Verlierer. Ganz anders ist das bei der Exzellenzinitiative an den deutschen Hochschulen.

Günter Bartsch

Wo Sieger sind, gibt es für gewöhnlich auch Verlierer. Ganz anders ist das bei der Exzellenzinitiative an den deutschen Hochschulen. Diesen Eindruck vermittelten zumindest die Teilnehmer der Abschlussdiskussion einer Elite-Konferenz des Stifterverbandes in Berlin – so nachdrücklich, dass man schon wieder skeptisch werden konnte.

„Die Freie Universität ist exzellent, die Humboldt-Universität nicht“, so beschrieb Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands die öffentliche Wahrnehmung nach der Entscheidung im Elitewettbewerb. Diese Wahrnehmung sei aber ein Problem, sagte Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner. Seiner Ansicht nach bilde die Exzellenzinitiative nicht das gesamte Spektrum der Forschungsförderung ab. Auch brillante Sonderforschungsbereiche seien ein objektives Kriterium für hervorragende Forschung einer Uni.

Laut Wolfgang Herrmann, Präsident der siegreichen Technischen Universität München, ist durch die Initiative das deutsche Hochschulsystem international wieder sichtbar geworden. Wichtige Lernprozesse seien in Gang gekommen – auch bei solchen Projekten, die im Wettbewerb leer ausgingen. Die Länder müssten jetzt auch kleinere Hochschulen motivieren und mit zusätzlichen Mitteln unterstützen. Wedig von Heyden, Generalsekretär des Wissenschaftsrates, mahnte eine Neuauflage der Exzellenzinitative an. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, lobte die entstandenen Partnerschaften zwischen den Unis und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Jetzt müsse sich auch die Wirtschaft noch stärker für die Forschung engagieren.

Ein Manko sahen die Diskutanten: Die Lehre hat noch nicht genug gewonnen. Sie spiele nach wie vor keine zentrale Rolle für die Außenwahrnehmung der Unis. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, sprach sich dafür aus, die im Elitewettbewerb ausgezeichneten Exzellenzcluster und Graduiertenschulen für die grundständige Lehre „sichtbar und nutzbar“ zu machen. Auch für Wolfgang Herrmann gehören Forschung und Lehre zusammen – den Begriff „Forschungsuniversität“ lehne er ab. Wedig von Heyden kann sich auch vorstellen, dass der Wissenschaftsrat bei einer Neuauflage des Wettbewerbs der Aufnahme von Lehrkonzepten in die dritte Förderlinie um den Elitestatus zustimmt. Günter Bartsch

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