Wissen : Hochschulen wollen schmutzige Wäsche waschen

Zusammenarbeit mit Bosch und Siemens soll Hausgeräte besser und sparsamer machen

Paul Janositz
Saubermänner. Von links: Reinhard Thümer (Beuth-Hochschule), Jörg Steinbach (TU Berlin), Matthias Ginthum (Bosch und Siemens Hausgeräte) und Michael Heine (HTW) beim Waschen. Foto: dapd Foto: dapd
Saubermänner. Von links: Reinhard Thümer (Beuth-Hochschule), Jörg Steinbach (TU Berlin), Matthias Ginthum (Bosch und Siemens...Foto: dapd

Vier Männer in Anzügen mit weißen Hemden und Krawatten drängen sich um eine Waschmaschine. Sie stopfen bunte T-Shirts in die Waschtrommel. Dann der gemeinsame Knopfdruck: die Kooperation zwischen drei Berliner Hochschulen und Bosch-Siemens zur Entwicklung innovativer Waschmaschinen ist gestartet.

„Wir möchten den Waschprozess optimieren und einen Beitrag zur nachhaltigen Pflege der Textilien leisten“, sagt Michael Heine, Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) bei der Präsentation des Projekts in der Technischen Universität Berlin (TU).

Obwohl Waschen zu den ältesten Tätigkeiten des Menschen gehört und das erste Patent auf eine Waschmaschine bereits Ende des 18. Jahrhunderts ausgestellt wurde, gibt es noch immer einiges an der maschinellen Säuberung von Textilien zu verbessern. Das ist ein Anliegen der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), des deutschen und europäischen Marktführers. Um weiter die Nase vorne zu haben, wird an noch besserer Wäschepflege geforscht, vor allem in Berlin.

„Im September weihen wir hier ein neues Innovationszentrum mit 750 Arbeitsplätzen ein“, sagt Matthias Ginthum, Leiter des Produktbereichs Wäschepflege bei der BSH. Er hebt hervor, dass die Geräte schon hoch entwickelt seien. So würde die Anforderungen der Energieeffizienzklasse A um bis zu 50 Prozent übertroffen. Doch Nachhaltigkeit wird immer wichtiger. Energie, Wasser und Waschmittel sollen noch weiter reduziert werden. Immer raffinierter komponierte Textilien kommen auf den Markt, die es schonend zu säubern gilt.

Deshalb hat sich die Firma die drei Berliner Hochschulen ins Boot geholt, die auf Technik spezialisiert sind. Neben der TU sind es die HTW und die Beuth-Hochschule für Technik. Die Zusammenarbeit ist zunächst für vier Jahre geplant. Mit Aussicht auf Verlängerung, wie TU-Präsident Jörg Steinbach betont.

Als erstes steht Simulation auf der Tagesordnung. Der ganze Waschprozess soll durchleuchtet werden, Stoff für viele Studien- und Doktorarbeiten. „Die Kompetenzen der drei Hochschulen ergänzen sich", sagt Paul Uwe Thamsen von der TU. Beispielsweise trage die HTW besonders zum Bereich Verhalten von Textilien bei, die Beuth-Hochschule ist firm in Simulation und die TU versteht viel von Strömungsdynamik. So wird in der großen Versuchshalle für Strömungsmechanik der TU eine Waschmaschine aus Plexiglas installiert. In zwei Monaten ist es soweit, sagt Thamsen. Dann wird sich Wäsche in der gläsernen Trommel drehen. Auch die zweite Trommel, aus der Wasser ab- und einströmt, wird durchsichtig sein. Hochgeschwindigkeitskameras werden alles aufnehmen, so dass der Waschprozess dreidimensional dargestellt werden kann. Dabei dürfte manches Erstaunliches offenbar werden, etwa dass Wäsche mäandernde Bewegungen macht, wie Thamsen aus früheren Versuchen weiß.

Mehr als um den Tanz der Textilien geht es um Ressourcen schonendes Waschen und Trocknen. Hier dürften künftig auch im Zusammenhang mit der politisch verordneten Energiewende zusätzliche Anforderungen kommen. Wie weit können die Einsparungen gehen? Derzeit ist mit 60 Litern bei acht Kilogramm Wäsche zu rechnen. Innerhalb von zehn Jahren könnte der Wasserverbrauch halbiert und später auf vielleicht auf 20 Liter reduziert werden, sagt der BSH-Experte Ginthum. Paul Janositz

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