Hochschulentwicklungsplan : Die neue BTU Cottbus nimmt Gestalt an

Zwei Jahre nach der Fusion hat die BTU Cottbus ihren Hochschulentwicklungsplan verabschiedet. Jetzt könnte die zusammengelegte Universität endlich Gestalt annehmen.

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Gewunden. Die BTU will FH- und Uni-Studiengänge verknüpfen.
Gewunden. Die BTU will FH- und Uni-Studiengänge verknüpfen.Foto: Patrick Pleul/dpa

Unter großen Protesten wurden im Sommer 2013 in Cottbus die Universität und die Fachhochschule zusammengeführt. Studierende und Professoren demonstrierten gegen die Fusion, von der sich Wissenschaftsministerin Sabine Kunst eine „Hochschule neuen Typs“ versprach. Wie genau die fusionierte Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg aussehen soll, blieb indes auch nach der vollzogenen Zusammenlegung lange unklar.

Einige redeten von "Stillstand"

Die „alten“ Fakultäten von Universität und Fachhochschule existierten zunächst nebeneinanderher, die Studiengänge waren kaum aufeinander abgestimmt. Von „Stillstand“ redeten einige schon. Ein Entwicklungsplan, den sich die BTU selber geben sollte und der wichtige strukturelle Fragen klären sollte, ließ auf sich warten – unter anderem, weil eine erste Präsidentenwahl scheiterte. Erst letzten Sommer trat mit Jörg Steinbach ein neuer Präsident an.

Nun endlich, zwei Jahre nach der Fusion, könnte die „neue“ BTU Gestalt annehmen. Am Mittwoch verabschiedete der erweiterte Gründungssenat nach mehrmonatiger Diskussion ebenjenen Hochschulentwicklungsplan. Details will die BTU erst im September bekannt geben, da noch einige Änderungen eingearbeitet werden sollen. Auch Steinbach wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Zu hören ist, dass der Plan den Grundzügen folgt, die vor einem halben Jahr bekannt wurden. Demnach wird die BTU von ursprünglichen Empfehlungen der Hochschulkommission des Landes abweichen.

Mehr als Energie erforschen

So will sich die BTU nicht nur auf das übergeordnete Forschungsthema Energie konzentrieren, wie es der Ministerin vorschwebte. Das wurde als zu monothematisch empfunden. Weitere übergreifende Schwerpunkte sollen nun Biotechnologie/Umwelt/Gesundheit sowie „Smart Region“ sein (dabei geht es um die nachhaltige Entwicklung von Regionen). Ebenso werden cyber-physikalische Systeme erforscht, ein Kernthema der Industrie 4.0.

Die Zahl der Fakultäten soll von acht auf sechs reduziert werden. Anders als einst empfohlen wird es nicht getrennte „universitäre“ und „fachhochschulische“ Fakultäten geben. Vielmehr werden alle Fakultäten gemischt sein. Das dürfte Spannungen auslösen. Schließlich beziehen die FH-Professoren eine geringere Besoldung und haben ein höheres Lehrdeputat als ihre Uni-Kollegen. An den Unterschieden wird festgehalten – selbst wenn einigen FH-Professoren der Übergang in den Uni-Status erleichtert werden soll. Die Zahl der Professuren soll von 230 auf rund 170 reduziert werden. Insgesamt wird wohl der universitäre Bereich gestärkt. Schon zu Amtsantritt erklärte Steinbach, es müsse „Uni drin sein, wo Uni dransteht“.

Bei den Professoren könnte es Streit geben

Derzeit doppelt angebotene Studiengänge sollen verknüpft werden, indem es parallel anwendungs- und forschungsorientierte Stränge geben wird. Die Studierenden sollen zwischen den Strängen wechseln können, sodass die Durchlässigkeit größer wird. Der Senat verabschiedete den Plan mit großer Mehrheit: Von 27 Mitgliedern votierten 26 mit Ja, bei einer Enthaltung. Insbesondere die Integration der „beiden professoralen Mannschaften“ könnte aber eine „komplizierte Aufgabe“ werden, ist von einem Uni-Mitglied zu hören.

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